Der Tod (meine Kurzgeschichte)

Der Tod (meine Kurzgeschichte)

Asalamu alaikum wa rahmatulahi wa barakatu

Ich habe für die Schülerzeitung eine Art Kurzgeschichte geschrieben mit Inhalt Tod im Islam versteckt, damit die Lehrer nicht meckern oder so, natürlich bemerken muslimische Schüler, dass es islamisch ist.


DER TOD

Der saphirfarbige Himmel war wolkenlos. Es war warm. Die Hitze lag wie Blei über der Stadt. Das hielt aber die Menschen nicht davon ab hinauszugehen und sich zu amüsieren. Genauso wie Ich, Azral.

Jeden Tag vertrieb ich mir meine Zeit mit Mädchen, Alkohol, Nightlife usw.
Doch dann geschah es ...etwas, was mich von einer Sekunde auf die andere veränderte.
Es ist Donnerstagmorgen. Ich wache wie jeden Morgen um 7Uhr auf, um mich für die Schule fertig zu machen. Ich nehme mir immerzu viel Zeit, um mich aufzustylen, Ach ja, hab ich schon erwähnt, dass ich der Mädchenschwarm der Schule bin?
Heute habe ich wieder nur eines im Kopf, nämlich mir ein Mädchen zu sichern und feiern zu gehen. Wie immer fahre ich mein Audi TT, um zur Schule zu kommen. Das kommt bei den Jugendlichen, besonders bei den Mädchen, gut an. Doch irgendetwas war heute anders. Ich weiß nicht was es ist, nur, dass heute etwas geschehen würde, wovon ich niemals geahnt hätte.
Auf meinem Schulweg hatte ich meine Schlüssel Zuhause vergessen. Daraufhin machte ich mich auf den Rückweg, um pünktlich anzukommen. Dies war der Anlass, weshalb ich das Tempo beschleunigte. Die Ampel leuchtet rot, aber hält mich nicht davon ab, meine Fahrt zu stoppen. Ich rase nun mit voller Geschwindigkeit um noch über die Ampel zu kommen.
Und nun...
Was ist das nur? Ich spüre einen ungeheuerlichen Schmerz, ich höre ein lautes Krachen, mir wird schwarz vor Augen, ich spüre nichts mehr , nur noch die Dunkelheit.
Was ist passiert?! Bin ich etwas tot?

„Oh, was?! Doktor, Doktor! Schnell kommen Sie hierher. Azral ist aufgewacht!“
Was ist denn hier los? Was meint sie mit aufgewacht?
„Ein Wunder ist geschehen!“
Voller Schmerzen versuche ich mit ihm zu reden:
„Was... Was war denn los? Was ist passiert?“
„Azral du lagst 2 Monate lang im Koma. Wir haben schon alles aufgegeben. Wir haben alles versucht und nun bist du wach. Oh, Azral, ein Wunder, ein Wunder.“
Wie bitte?! Ich lag 2 Monate lang im Koma? Was ist denn bloß passiert? Ich erinnere mich an nichts, nur an meine letzte Fahrt [...]

Es ist 1 Monat vergangen und ich werde nun aus dem Krankenhaus entlassen. Immer wieder, seit dem Tag an dem ich aufgewacht bin, bis heute, stelle ich mir Fragen, wie z.B., was das Leben für einen Sinn hat. Wieso habe ich überlebt? Was wäre passiert, wenn ich jetzt tot wäre? Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Woher bekomme ich meine Antworten? Ich bin einfach ratlos, irritiert und einsam. Keine Gedanken über Mädchen, Spaß und Geld befallen mich nunmehr.

An meinen ersten Schultag habe ich erfahren, dass wir einen neuen Mitschüler namens Abdul-Rahman, bekommen haben. Er scheint ganz nett zu sein; ganz ruhig und gelassen.
Aber wo waren eigentlich meine Freunde? Komisch. Nicht einer von denen war zu sehen.
In der Hofpause bewegte sich eine Gestalt auf mich zu. Ich erschrak, als diese Gestalt mich von hinten ergriff.
Es war der Neue, Abdul-Rahman.
„Na du, alles klar bei dir? Du bist doch Azral, nicht wahr?“
„Äh, ja, der bin ich. Wieso fragst du?“
„Ich hab vieles von dir gehört. Du lagst im Koma, oder?“
„Ja.. Aber was geht dich das überhaupt an? Hast du ein Problem damit?!“
Oh, war ich zu hart? Mir egal, wieso kommt er mir auch gleich mit diesem Thema an?!
„Bruder, rege dich bitte nicht gleich auf. Sei nicht zornig. Ich habe nur angenommen, dass du vielleicht jemanden zum Reden brauchen könntest.“
Seine Augen wirken klein und liebevoll beim Sprechen.
Aber was redet er da? Bruder, zornig?! Wo bin ich den denn hier? Hat er sie nicht mehr alle?!
„Zum Reden?“
„Ja. Soweit ich gehört habe, warst du früher anders.. Mädchen, Geld und Alkohol etc. Du siehst aber komischerweise gar nicht danach aus, oder irre ich mich da etwa?“
Ich zögerte. Ich wollte nicht über mich sprechen, aber etwas drängte mich es doch zu tun.
„Nun, du irrst dich nicht. Ich habe mich verändert... sehr sogar.“
„Aha. Woher kommt dieser plötzliche Wandel?“
„Ich weiß es auch nicht, aber mein Unfall hat mich zum Überlegen gebracht.“
„Hmm.“
„Ach ja, ich wollte dich mal fragen, ob du vielleicht weißt, wo meine Freunde sind. Es war eine Gruppe. Sie hießen Lahab, Frank und Christian.“
„Ja klar kenne ich die. Hast du nichts in der Zeitung gelesen?“
„Zeitung? Wieso, was ist denn passiert?“
„Sie sind alle gestorben. Genau ab dem Tag, wo du deinen Unfall hattest, ist Lahab gestorben, bei einem Autounfall. Er wollte seine Freunde zu einer Party am Strand folgen und ist gegen ein LKW gekracht.. Frank, war so betrunken, dass er ins Meer gefallen ist und ertrunken ist. Christian ist dabei umgekommen, als er hinterhergesprungen ist, um ihn aus dem Wasser zu retten.“
„....“
Ich schaute ihn schockiert an. Wie konnte das nur passieren, genau an dem Tag, an dem ich meinen Unfall hatte. Das alles hätte mich treffen können. Aber wieso habe ich überlebt. Ist das Schicksal? Existiert wirklich so etwas?
„Azrail, ich verstehe dich sehr gut. Wenn du jemanden zum Reden brauchst, dann rufe mich an oder besuche mich einfach. Meine Daten stehen auf der Telefonliste. Ich muss mich jetzt für Sportstunde fertig machen...Bis dann.“
Was ist nur alles passiert und wieso...?

Als ich Zuhause gewesen bin, habe ich mir nur noch Gedanken über die vergangenen Geschehnisse gemacht. Sollte ich mich doch vielleicht bei Abdul-Rahman melden? Nein das ist blöd. Ich will nicht wie ein Schwächling wirken, ratlos und nichts wissend.
Aber mit wem soll ich denn sonst reden. Ich habe niemanden. Was soll ich nur tun? Ach was soll´s! Ich darf nicht zu stolz sein...

„Ja, hallo? Wer ist da?“
„Bin ich hier bei Abdul-Rahman?“
„Ah Azral?! Ja ich bin es. Du bist hier richtig. Komm hoch.“
...Irgendwie kommt es mir so vor, als würden heute einige meiner Fragen beantwortet werden...
„Komm rein.“
„Danke. Ich hoffe, ich störe dich nicht Abdul-Rahman.“
„Nein, ganz und gar nicht, Bruder.“
„Ja, wie geht es dir denn eigentlich?“
„Danke sehr gut, ich bin gesund, und dir?
Ich bin gesund? Was ist denn das für eine komische Antwort? Ein wirklich seltsamer Kerl ist das.
„Danke ähh..ich bin auch gesund.“ Jetzt habe ich auch noch dieselbe dumme Antwort gegeben. Ich habe sie langsam auch nicht mehr an der Waffel.
„Abdul-Rahman? Du hast hier viele Bücher wie ich sehe und das auf dem Tisch sieht sehr interessant aus. Um was geht es denn da?“
„Es geht um den Tod.“
Da fing mein Herz an heftig zu schlagen. Als würde es in mir brennen.
„T..Tttood?“, stotterte ich.
„Ja, es ist sehr interessant. Dieses Buch besonders, denn es schildert dir gleichzeitig die aufgezählte Geschichte des Todes und so, als wärest du dabei gewesen. Sagen wir, es sei eine Geschichte, in der du mitfühlen und dich hineinverwickeln kannst.“
Wow. So etwas gibt es? Wie unheimlich, aber auch interessant.
„Kannst du mir vielleicht davon erzählen?“
„Ja sehr gerne..
Stell dir vor, es wäre dein Begräbnis und du würdest in einem Sarg liegen. Alles wird schwarz und dunkel um dich. Deine Haut wird kalt und deine Augen werden trocken. Du hörst Schritte, die sich immer weiter und weiter von dir entfernen. Du bemerkst, dass dich deine Seele verlassen wird. Nun fängt ein heftiger Wind von deinem Kopf bis zu deinem Fuße an zu wehen. Jetzt war dein letzter Atemzug. Es ist Zeit zu gehen. Nun wird dir klar, dass jede Seele sein Datum zum Sterben bekommen hat. Es kann am nächsten Tag jeden treffen. Du wirst bemerken, dass am Ende, sich alles zwischen Hölle und Paradies entscheiden wird. Deine ganzen Taten wurden aufgeschrieben. Warst du ein guter Mensch oder ein schlechter?..“
Ich fange am ganzen Körper an zu zittern. Was erzählt er denn da? Ist das etwa die Wahrheit?
Wird es wirklich nach dem Tod noch ein Leben geben, worin entschieden wird, ob du in der Hölle oder im Paradies landen wirst..?
„..Und nun..“
„Nein! Hör auf damit! Ich will nichts mehr hören. Das ist doch krank. Du willst mir doch nur Angst einjagen. Hab ich Recht?! Ich bin kein Idiot...“
Was macht mich so zornig? Wieso rege ich mich überhaupt auf?
„Ich verstehe dich Azral, aber..“
„Nein...!!!“
Er schaute mich schockiert an, während ich die Tür heftig hinter mir herschlug und hinausrannte [...]

 

Es ist dunkel. Es ist schwarz. Wo bin ich? Was höre ich für schreckliche Stimmen? Es ist so eng hier. Ich habe Angst.
„Ahhhhhhhhhhh, was ist das, es tut so weh! Ich kann nicht mehr! Ich sterbe!!“
Weinend und qualvoll bemerkte ich, dass ich in einem Sarg lag,; es brannte. Ich kriege keine Luft mehr. Es tut so weh. Wieso denn auf einmal? Warum passiert mir so etwas. Mein Atem verlässt mich auf schmerzlichster Weise.
„Bitte so nimm doch meine Seele, wer immer du auch bist, aber bitte befreie mich von diesen Schmerzen. Ich kann nicht mehr!“
Ich weinte, ich schrie, ich schlug um mich...
„Hilfe! Warum hilft mir denn niemand?! Bitte, mein Herz...“
....was war das? Wo bin ich?
„Hah, hah, hah, hah, hah..“, ich hauchte, mir blieb der Atem stehen. Meine Augen wurden rot.
„Ein Traum...“, murmelte ich ängstlich. Die Angst packte mich und die Tränen kamen mir aus den Augen. Was ist nur mit mir passiert?! Wieso habe ich denn nur so ein Pech?“ Warum gerade jetzt alles?!... Warte mal..
„Abdul-Rahman!“
Er ist schuld, er hat mich ins Verderben gestürzt. Gerade jetzt, wo er mir diese Märchen erzählt hat, träume ich so etwas. „Dieser...“, wütend ballte ich meine Faust. „Der wird was erleben, dieser..!“ [...]
„Was ist denn....!“ Abdul-Rahman rannte schockiert aus der Küche heraus. Es wurde laut im Flur, denn es klopfte heftig an seiner Tür.
„Mach sofort auf Abdul-Rahman! Ich weiß, dass du da bist!“
„Ruhig, ruhig Bruder. Warte, ich mache dir die Tür auf.
Erschöpft und verschnauft trat ich durch die Tür.
Ich schäme mich. Was habe ich grad getan?! Ich bemerke erst jetzt, dass ich zu einem Tier geworden bin. Was ist nur in mich gefahren?
„Es, es...ttttut mir leid“, stotterte ich mit errötendem Gesicht.
Abdul-Rahman lächelte mich mit freundlichen Augen an und sagte daraufhin: „Kein Problem Azral. Ich verstehe schon wie du dich fühlst. Ich war auch irritiert und hatte Angst, als ich das erste Mal von dem Tod richtig erfahren hab und der Konsequenzen. Ich hatte viele Albträume gehabt. Aber diese sind ein wahres Geschenk. Sie waren einer der Gründe , weshalb ich mich verändert habe und zu dem Menschen geworden bin, der ich jetzt bin.“
„Wirklich? Wie warst du denn früher?“
„Ich war ein schlechter Mensch. Ich habe betrogen, gelogen und hatte nur Mädchen und Alkohol im Kopf.“

Ich kriegte einen Schock. Wie kann das sein? Ich war doch auch vorher so. Das kann doch nicht alles Zufall sein. Vielleicht kann er meine Antworten auf meine Fragen sein. Es ist mir egal, was passiert, ich will unbedingt mehr erfahren.
„Abdul-Rahman. Es tut mir wirklich leid, was letztens passiert ist. Das war nicht nett und respektlos von mir, das...“
„Nein, gib dir keine Schuld Azrail. Kein Problem. Das ist halt alles neu für dich.“
„Ich will dich jetzt nicht stören, aber könntest du mir vielleicht mehr erzählen?“
„Ja, sehr gerne sogar. Was willst du denn genau wissen? Soll ich einfach anfangen?“
„Ja, das wäre nett von dir...“
„Wie ich dir schon das letzte Mal erzählt habe, dass alle deine Taten aufgeschrieben werden. Jeder erhält dementsprechend seinen Lohn oder seine Strafe. Der Sarg für
den Verdammten, der mit den schlechten Taten, stellt ein Gefängnis dar, während der Tod für den guten Menschen ein kostbares Geschenk ist. Die Welt ist ein Gefängnis, in dem Leiden
herrscht, und in dem der Mensch mit den guten Taten einem ständigen Kampf gegen sein Ego und den Leidenschaften seiner Seele ausgesetzt ist...“
„Du willst damit sagen, dass wir gute Taten verrichten sollen und gute Menschen sein sollen, damit wir einen möglichst angenehmen und schönen Tod haben?“
„Ja genau.“
„Ach, ich habe doch noch Zeit. Ich bin jung und...“
„Genau, das ist keine gute Denkensweise Azral. Hatten deine Freunde etwa Zeit nachzudenken?“

Er hat recht. Der Tod kam einfach. Sie hatten gar keine Chance.

„Es ist nicht gut, sich Hoffnungen auf eine weit entfernte Sache zu machen, wie z.B.: Ich werde mich nicht bessern, bis ich nicht dieses und jenes erledigt habe, bis ich nicht volljährig bin, bis ich nicht dies, bis ich nicht das...
Man sollte sich immer Gedanken über das Ende machen. Am besten kann man dem entgegensteuern, indem man sich zu jeder Stunde, in jeder Minute vorstellt, wie seine Arme und Hände, Beine und Füße von den Würmern im Grabe durchbohrt und aufgefressen werden; wenn man sich immer wieder fragt, mit welchem Auge die Würmer wohl als erstes beginnen werden: mit dem rechten oder mit dem linken? Denn es gibt keinen Körperteil, der
nicht als Nahrung für die Würmer dienen wird. Schon die Angst allein bringt zum Nachdenken, oder?“

Ich zitterte. Es ist alles so komisch. Noch nie habe ich so eine Angst gehabt, vor dem Tod. Werde ich das alles etwa fühlen?

„Wow, echt gruselig...Wie tritt aber der Tod ein? Wie fühlt es sich an und wie kann man sich darauf vorbereiten?“
„Der Schmerz des Todes greift jeden Teil des Geistes direkt an und überflutet die Empfindung mit großer Qual. Der Sterbende fühlt sich von jeder Arterie, von jedem Nerv, von jedem Gelenk und Knochen, von jeder Haarwurzel und jeder Hautschicht vom Kopf bis zu den Füßen gezerrt und gerissen. Dann beginnen seine Extremitäten abzusterben - eine nach der anderen. Zuerst werden seine Füße kalt, dann sein Schienbein und Oberschenkel, jedes Bein, jeder Arm, Elend auf Elend, bis sein Geist die Kehle erreicht. In diesem Moment schaut der Mensch das letzte Mal auf die Welt und seine Bewohner. In diesem Augenblick erscheint vor ihm das Gesicht des Todesengels. Nach diesem Buch, was ich gerade lese, soll der Todesschmerz so schmerzvoll wie 300 Schwerthiebe sein. Hier steht auch sein Satz, der sagt “Der Tod ist wie ein dorniger Zweig, der im Magen an jeder Arterie festgewachsen ist. Dann zieht ein kräftiger Mann daran, und er reißt mit sich, was er mit sich reißt, und lässt, was er lässt."

Es schmerzt so sehr. Er erzählt es so, als würde ich dabei sein zu sterben. Als wäre mit dabei. Dieses Gefühl bringt mich zum Schaudern.
„Abdul-Rahman, gglaaauubbbst du etwa daran?“, stotterte ich.
„Ja.“
„Aber wieso?“
„Ich weiß nicht, aber ich denke, dass Leben einen Sinn hat. Wieso wurden wir geschaffen? Etwa damit in Discos gehen und feiern und uns zu betrinken? Das ist einfach alles so unlogisch für mich. Ich denke jeder hat eine Prüfung in dieser Welt vor sich.“
„Hmm.“
„Hast du dir denn noch nie darüber Gedanken gemacht?“
„Zuerst nicht. Aber nach dem Unfall habe ich sehr oft darüber nachgedacht.“
„Hast du mal gesehen wie sich die Menschen in Friedhöfen verhalten?“
„Nein, nicht wirklich. Wie denn?“
„Ich stelle fest, dass sich heutzutage die Leute bei Trauerzügen und Beerdigungen nicht angemessen verhalten, sondern lachen, scherzen und Spaß haben, dagegen keiner sich auf eine ernsthafte Art damit auseinandersetzt. Es ist wichtig, bei Beerdigungen immer daran zu denken, dass es sein eigenes Begräbnis sein könnte. Man soll an die Schrecken
.denken, die vor dem Toten liegen. Eben die ganze Sache über die Qualen im Grab.“
„Ja ich denke, dass wenn ich mich jetzt an einem Friedhof befinde, dass mir die Schweißtropfen über das Gesicht laufen werde. Ich werde sicherlich sehr viel Angst bekommen.“
„Ja ich weiß genau was du meinst.“
„Ich habe jetzt einen genauen Einblick darüber was im Grab mit den Menschen geschieht.
Aber gibt es so was wie das Jenseits? Ein Leben nach dem Tod?“
„Schau mal, das ist ein sehr großes Thema. Ich muss noch Essen einkaufen gehen. Kannst du vielleicht morgen bei mir vorbeischauen? Wir können ja nach der Schule zu mir, wenn du willst?“
„Ja sehr gerne. Ist ja auch schon spät geworden.“
„Machs gut Azral. Pass auf dich auf. Bye.“
„Okay bye.“

Als ich die Tür hinter mir zumachte, war es diesmal ein anderes Gefühl. Ich fühlte mich beruhigter, als hätte jemand eine Last aus meinem Herzen genommen.
Was wird morgen wohl auf mich zukommen? [...]


Es ist sehr angenehm. Es riecht nach... Ich weiß es nicht; nach etwas unbeschreiblichem.
Ich fühle mich, als würde ich schweben. Alles ist so hell und angenehm. Ich höre sanfte und schöne Stimmen. Mein Bett ist groß und weiß. Ich fühle mich wie im...Ja, das ist die Frage? So etwas erlebe ich zum ersten Mal. Es ist so unglaublich schön hier, sodass man es nicht in Worte fassen kann. Nun versuche ich von meinem Bett aufzustehen und...

„Azral! Azral!“, schrie jemand mit lauter Stimme.
„So hell und....“,murmelte ich vor mir hin.
„Das glaub ich es jetzt nicht. Wach jetzt sofort auf!!“
„Was ist...“, ich erschrak.
Das war meine Mathelehrerin. Ich bin anscheinend eingeschlafen.
„Raus mit dir, sofort!“
Sie war sehr wütend. Oh man. Jetzt kann ich die ganze Stunde im Flur verbringen.. Hmm.
Was war das für ein Traum. Einfach schön. Das völlige Gegenteil vom gestrigen Traum. Woran liegt das wohl. Ist es wegen gestern? [...]

Auf dem Weg nach Hause, träumte ich wieder vor mich hin, sodass mich fast ein Auto angefahren hätte. Dieser Traum bringt mich die ganze Zeit zum Nachdenken.
„Azral! Warte auf mich!“, rief mir eine Stimme nach.
„Abdul-Rahman, du bist es. Was machst du denn hier?“
„Ich war kurz in der Bücherei. Bald fangen ja die Klausuren an.“
„Stimmt. Das heißt wohl pauken.“
„Du bist doch heute eingeschlafen. Wie kommt das? Hattest du nicht genug Schlaf? Bedrückt dich etwas?“
„Nein, es ist nichts. Aber ich hatte nur den Drang zu schlafen. Und der Traum war so schön, sodass ich in einem Tiefschlaf versetzt worden bin. Es war einfach schön, unbeschreiblich..“
Er lächelte und schaute auf den Boden.
Was hat er? Wieso ist er so glücklich? Was weckt diese Freude in ihm? Komisch? So jemanden wie ihn treffe ich zum Ersten Mal...
„Azral, du wolltest doch heute mehr über den Tod erfahren, oder?“
„Ja, sehr gerne.“
Wir machten uns auf dem Weg zu ihm nach Hause[...]

Abdul-Rahman schlug in seinem Buch nach und fing an wieder zu erzählen.
„Ich werde dir jetzt etwas über den Jüngsten Tag und das Jenseits erzählen und wie der Ablauf sein wird. Es gibt mehr Gefahren, vor denen sich der Mensch fürchten soll, als die Gefahren im Grab. Das wäre der Posaunenstoß, die Wiederauferstehung am Tag des Jüngsten
Gerichts, die Untersuchung von wichtigen und weniger wichtigen Dingen, die Aufrichtung der Waage, Bestimmung der Menschen sichtbar zu machen, und dann das Überschreiten des Abgrunds mit all der Dünnheit und Schärfe des Übergangs. Diesen Dingen folgt das Warten auf das Jüngste Gericht und dann die Entscheidung: Glückseligkeit oder Elend.“
Das ist mir alles neu. Posaunenstoß? Waage? Was hat das alles zu bedeuten?

„Ich werde dir nun diese ganzen Punkte hintereinander schildern. Es gibt die sogenannte Posaune, in die gestoßen wird, wenn der Tag des Jüngsten Gerichts eintreten wird. Du solltest zuerst an die Kraft denken, mit der das Blasen der Posaune die Ohren der Leute des Grabes bombardiert. Es besteht aus einem Ton, durch den sich die Gräber über den Köpfen der Verstorbenen öffnen. Sie werden sich daraufhin wie eine Sturmflut über die Erde ergießen. Stell dir vor, wie du aussehen wirst, wenn du mit entstelltem Gesicht herausspringst, dein Körper vom Kopf bis zu den Zehen mit der Erde deines Grabes bedeckt, taumelnd von der Gewalt des Posaunenstoßes, die Augen nach oben in die Richtung verdreht, aus der der Aufruf kam. Die Menschheit wird sich wie ein Mann aus den Gräbern ergießen, in denen sie lange gelitten hatte, furchtbar geschüttelt von Schrecken und Horror, der verstärkt wird durch ihr Leid und angsterfülltes Schlottern und durch das harte Warten auf das endgültige Ergebnis. Die Mundöffnung des Horns ist so breit wie Himmel und Erde zusammen. Dann wird das zweite Mal in die Posaune gestoßen und sie werden alle wartend da stehen. Sie werden, auf ihren Füßen stehend, die Auferstehung erwarten.“
Unvorstellbar. Niemals hätte ich nun mit so etwas gerechnet.

„Und was hat es mit diesem Jüngsten Gericht auf sich?“
„Die Menschen werden alle versammelt sein, nackt und barfüßig. Du wirst nicht fähig sein, dort irgendeine Erhebung zu finden, hinter der sich ein Mensch verstecken könnte, noch ein Loch, in das man versinken könnte, um nicht gesehen zu werden.“
„Wird sich denn keiner schämen? Ich kann es mir nicht vorstellen.“
„Du wirst so sehr mit deinen eigenen Problemen beschäftigt sein und darüber nachdenken was dich erwarten wird, sodass du die anderen Menschen gar nicht beachten wirst.“
„Ich verstehe.“
Ich bemerkte, dass ich vor Angst schon langsam zitterte und ich anfing zu schwitzen.
„Es gibt eine Brücke, die die Menschen überqueren müssen. Der Weg ist eine Brücke über die Hülle, die Frühen und die Letzen werden sie benutzen für den Weg zum Paradies, weil die Hülle zwischen dem Halteplatz und dem Paradies liegt, die Brücke ist schärfer als ein Messer und dünner als ein einzelnes Haar, die Füße der schlechten Menschen bzw. der Heuchler , die bestraft werden sollen, werden keinen Halt auf der Brücke finden und sie werden ins Feuer fallen. Die Füße der guten Menschen jedoch werden auf der Brücke halt finden, sie werden weiter ins Paradies fliegen, rennen, laufen oder kriechen, die Bewegung ist von ihren Taten abhängig, Und nun erzähle ich dir etwas über die Waage. Die guten Taten kommen auf die eine Seite der Waage und die schlechten Taten auf die andere Seite. Wenn die schlechten Taten überwiegen, so bedeutet es das Feuer für diesen Menschen. Überwiegen aber die guten Taten, so bedeutet es das ewige Paradies. Deswegen Azrail, sollte man immer nur versuchen gute Taten zu machen. Egal wie viel dir das schlechte auch bringen mag, so folge niemals diesem Weg.“

Mein Herz klopfte die ganze Zeit. Es war einerseits ein Gefühl von Angst, aber andererseits ein Gefühl von Erlösung. Es wurden alle meine Fragen beantwortet und komischerweise, weiß ich nun was mein Leben für einen Sinn hat.

„Aber Abdul-Rahman. Wie sieht es mit den Lügen aus? Wie sieht es beispielsweise mit Notlügen aus? Ist das auch was schlechtes?“
„Ja. Lügen sind niemals eine gute Sache. Denn wenn man lügt, so ist man ein Heuchler. Es gibt drei Arten, die einen Heuchler ausmachen. Kennst du sie?
„Nein, welche meinst du denn?“
„Die Kennzeichen eines Heuchlers sind drei: Wenn er spricht, lügt er; und wenn er etwas verspricht, erfüllt er sein Versprechen nicht; und wenn ihm etwas anvertraut wird, handelt er untreu. So merke dir genau diese Punkte Azral.“

Er hat Recht, dies macht auch alles einen Sinn. Wie kann man nur so etwas ignorieren, das Jenseits und das Jüngste Gericht. Wir können doch nicht nur grundlos hier leben, und erschaffen worden sein.
„Das war eigentlich das Wichtigste. Wenn du noch Fragen hast, sage mir Bescheid.“
„Ich weiß, nicht wie ich dir danken soll Abdul-Rahman. Ich danke dir für alles. Du...“
Mir liefen plötzlich die Tränen übers Gesicht. Ich konnte kaum Luft kriegen. Noch nie hat sich jemand so um mich gekümmert. Er war es, der einfach auf mich zukam und mir die Antworten kam, obwohl ich so abweisend zu ihm war.
„Du bist ein wahrer Freund Abdul-Rahman, ich weiß nicht was ich sagen soll..“
„Du brauchst nichts zu sagen. Ich habe das sehr gerne gemacht. Wir sind doch füreinander Geschwister.“
Er kam auf mich zu und umarmte mich.
Eigentlich würde ich ihn aufgrund meiner sogenannten „Straßenkultur“ wegschubsen und sagen, das sei mädchenhaft und uncool, aber nun war es etwas anderes. Er ist für mich wie eine Familie geworden, in so kurzer Zeit. Es war einfach erlösend, sich vor jemand auszuweinen und getröstet zu werden. Dies habe ich nicht einmal von meiner Familie bekommen..
„Komm, du bist ein großer Junge. Hör schon auf zu weinen.“, lächelte er mit freundlichen Augen.
„Du bist gemein.“, sagte ich.
Wir lachten und lachten, bis unsere Bäuche wehtaten. Soviel habe ich noch nie gelacht.
„Abdul-Rahman, lass uns doch etwas rausgehen. Ist schönes Wetter.“
„Gute Idee.“

Jede Last verschwand aus meinem Herzen. Wir verließen zusammen die Wohnung und schlossen friedlich die Tür hinter uns. Es schien so, als würde mein Leben neu anfangen und als wäre ich ein neues, weißes unbeschriebenes Blatt.[...]

 

ENDE

Author: Amina
 

 

© Die Wahrheit im Herzen

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