Kopftuch, ja oder nein? – Ein langer Kampf mit dem Shaytan

As salam aleikum wa rahmatu wa barakatu,

 

Liebe Geschwister im Islam, im Folgenden möchte ich euch von meinem Weg zum Hijab/ Kopftuch erzählen:


Ich, 20 Jahre alt und derzeit Lehramtsstudentin, bin in einer streng religiösen islamischen Familie aufgewachsen. Mir wurde das Beten und das Fasten im jungen Alter schon gelehrt und beigebracht, alhamdulillah. Als kleines Kind hab ich schon kleine Suren auswendig gelernt und sie jeden Tag, zusammen mit meinem jüngeren Bruder, meinem Vater vorgesprochen. Ich habe das alles getan, weil ich wusste, dass meine Eltern es so wollten und ich sie damit glücklich und stolz gemacht habe. Den Sinn, der dahinter steckt, habe ich erst viel später erfahren.


Mir wurde aber immer freigestellt, ob ich ein Kopftuch trage oder nicht. Meine Mutter sagte mir, dass sie mich nicht dazu zwingen kann, weil diese Entscheidung vom Herzen kommen muss. Damals habe ich nie verstanden, wie eine solche Entscheidung vom Herzen kommen soll, jetzt aber weiß ich, was meine Mutter gemeint hat, alhamdulillah!


Ich praktizierte also den Glauben weiter, ohne den Hintergrund zu kennen. Natürlich wusste ich, dass ich das alles für Allah swt tue und Allah swt zufrieden mit mir ist, wenn ich bete und faste, mehr aber nicht.

Alhamdulilah habe ich eine relativ unbeschwerte Kindheit und Jugend gehabt; hatte alhamdulillah gute Freunde, vereinzelt aber auch Freunde, die mich (unbewusst) vom rechten Weg abhalten wollten; mir sagten „Komm doch heimlich zur Party“ „Schleich dich nachts raus“ oder „Lüg doch deine Eltern an“, ich aber nicht auf sie hörte, sondern stark geblieben bin und den Abstand von ihnen gesucht habe. Irgendwann haben sie es akzeptiert, dass ich so bin, wie ich bin und ich eben bei solchen Aktionen nicht mitmachen würde und man auch anders eine Freundschaft aufbauen kann, alhamdulillah.

 

Alhamdulillah habe ich dann auch mein Abitur geschafft und mich für Universitäten beworben. Wie es den meisten Abiturienten oder Studenten bekannt sein sollte, hat man ja nach dem Abitur und vor dem Studiumbeginn viel Zeit, um was anderes zu machen z.B, arbeiten zu gehen; zu reisen etc. In diesen vier Monaten Freizeit hat sich bei mir einiges bezüglich des Glaubens getan. Ich war Allah swt natürlich sehr dankbar, dass ich mein Abitur geschafft habe und mir war es dann umso wichtiger, dass ich meinen Berufswunsch, nämlich Lehrerin zu werden, anstreben konnte. Ich habe also einige Bewerbungen geschrieben, sie abgeschickt und gewartet und gewartet. Diese Warterei hat mich zum Teil wahnsinnig gemacht, weil ich ja sofort wissen wollte, ob ich an einer Uni angenommen werde oder nicht. In dieser Zeit habe ich dann verstärkt den Weg zu Allah swt gesucht. Ich wollte nicht einfach nur beten und fasten, ich wollte mehr über den „Din“ und unseren Propheten sws wissen. So hab ich mich im Internet kundig gemacht; täglich etwas auf islamischen Seiten gelesen usw. Hiernach ist mir erst richtig bewusst geworden, warum ich das Beten verrichte und im Ramadan faste. Ich habe jeden Tag zu Allah Dua gemacht, dass er mir meinen Berufswunsch erfülle und alhamdulillah kamen nach ein paar Wochen einige Zusagen und ich freute mich riesig. Ich war Allah swt so dankbar!

 

Zu dieser Zeit war mir aber das Thema Kopftuch immer noch fremd, obwohl ich es von meiner Mutter her kannte, aber der Shaytan redete mir immer wieder ein, dass ich erst studieren und einen festen Arbeitsplatz finden müsse, um dann erst ein Kopftuch tragen zu können, denn mir war ja bewusst, dass man als Lehrerin mit Kopftuch keine Chance hat.
Also begann ich mein Studium und dort wollte ich mich als neue Person darstellen und abgeben; ich kaufte mir also neue Kleidung, Schuhe und Taschen, um mich „zu zeigen“. Ich habe jeden Tag meine Haare schön frisiert und mich auch geschminkt, eben anders als zur Schulzeit, wo ich auf Kleidung und Make-up keinen so großen Wert gelegt habe.
Ich habe beim Shoppen aber schon drauf geachtet, dass ich lange Oberteile kaufe und nichts mit Ausschnitt usw., denn ich wollte mich langsam Schritt für Schritt auf eine „vernünftige“ Kleidung vorbereiten.
Das Kopftuch war dennoch noch kein Thema, astakhfirallah.

 

Mein Studium verlief leider, oder alhamdulillah, nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte und so musste ich nach zwei Semestern mein Hauptfach wechseln. Ich geriet also wieder in eine Phase des Wartens, Hoffens und Bangens um einen neuen Studienplatz für ein anderes Fach. In der Zeit lag auch der heilige Monat Ramadan und ich suchte erneut verstärkt die Nähe zu Allah und die ist alhamdulillah bis heute immer noch so stark, wenn nicht, noch stärker. Ich erkundigte mich also im Internet über verschiedene Gebiete des Islams, habe die Hadithe gelesen und was über die Sunna unseres Propheten sws erfahren. Ich habe auch viel über die Heirat und die Ehe im Islam gelesen und war fasziniert, wie gut doch die Frau im Islam behandelt wird und dass der Islam mit Unterdrückung und Zwang nichts zu tun hat. Ich liebte den Glauben immer mehr subhanallah!


Erfreulicherweise erhielt ich dann eine Zusage für ein anderes Hauptfach an der gleichen Universität und ich dankte Allah swt über alles! Ich studierte also weiter und habe dabei immer fest an Allah gehalten. In der Zeit, in der ich mich ausgiebig über den Islam informierte, kam auch langsam der Wunsch in mir, dass ich bald ein Kopftuch tragen möchte, jedoch gleichzeitig Angst vor der Gesellschaft verspürte. Ich hatte nämlich Angst, dass mich die Leute in der Uni und meine überwiegend deutschen Freunde mich so nicht akzeptieren würden und zögerte es Woche für Woche hinaus.


In der Uni wurde ich von einigen Kommilitoninnen auf meine Glaubensrichtung angesprochen und als ich die Frage, ob ich denn auch beten und fasten würde, bejahte, sagten sie mir mit großen Augen, dass sie das von mir nie gedacht hätten. Das gab mir zu denken! Mir wurde bewusst, dass ich nach außen hin was ganz anderes darstellte, als was ich innerlich empfand. Kein Wunder, dass meine Mitstudenten sehr erstaunt waren, als sie erfuhren, dass ich den Islam praktiziere. Ich fühlte mich also in meiner Haut und in meiner engen Kleidung sehr unwohl. Das war vielleicht ein erster Denkanstoß in die richtige Richtung, alhamdulillah.

 

In diesem Semester habe ich ein Mädchen kennen gelernt, die mit mir das neue Fach studiert. Sie ist Kopftuchträgerin und sehr selbstbewusst, mashallah. Jedes Mal, wenn ich sie sah, dachte ich „Wow, hat sie eine tolle Ausstrahlung, trotz des Kopftuches.“, denn leider verband ich mit dem Kopftuch, dass man als Mädchen dann „hässlicher“ werden würde, was ich heute als kompletter Schwachsinn und Einflüsterung des Shaytans deute! Dennoch wollte ich es immer mehr und mehr, aber irgendwas in mir sagte „Warte noch“.


Ich freundete mich also mit diesem Mädchen an und wir trafen uns auch zum Lernen. Bei unserem ersten Treffen zum Lernen, saßen wir in einem kleinen Raum in der Bibliothek. Dieser Raum hat grob geschätzt für 20 Leute Platz. An diesem Nachmittag sollte ich das endgültige Zeichen für meine Entscheidung erhalten. Ich saß also mit ihr und während wir lernten kamen und gingen Leute, also nichts Auffälliges. Doch dann, genau für ca. eine halbe Stunde (ich weiß es nicht mehr genau), saßen vier Mädchen mit Kopftuch in diesem Raum. Eine davon war meine Freundin und die anderen irgendwelche Studentinnen. Ich dachte mir „Es sitzen gerade vier Studentinnen mit Kopftuch in diesem kleinen Raum und ich bin keine von ihnen.“ Ich habe mich sehr geschämt, mich am meisten vor Allah swt geschämt!


Ich ging nach Hause und habe den ganzen Abend, die ganze Nacht darüber nachgedacht, was dieser Nachmittag an jenem gesegneten Freitag bedeuten sollte. Dann habe ich, alhamdulillah, den Entschluss gefasst, dass ich ab morgen auch ein Kopftuch tragen möchte. Es war aber Wochenende und ich hatte keinen Ausgang geplant, sodass ich mich erstmal in der Öffentlichkeit nicht gezeigt habe. Ich wollte auch erst mal keinem davon erzählen, weil ich mich von niemanden beeinflussen lassen wollte, nicht mal von meinen Eltern, obwohl ich weiß, dass mich meine Eltern in dieser Hinsicht nur bestärkt hätten. Ich wollte es aber alleine durchziehen und nur mit der Hilfe Allahs. So schnell wie die Entscheidung zum Kopftuch da war, so schnell waren auch Unsicherheit und Ängste wieder da. Jedoch, da ich vieles über die enorme Macht des Shaytans gelesen hatte, wusste ich auch, dass diese Unsicherheit und Angst auch vom Shaytan kommt und konnte dagegen anhalten. Ich bin das Wochenende über stark geblieben und stand felsenfest hinter meiner Entscheidung zum Kopftuch. Am Sonnabend geriet ich wieder ins Zweifeln und habe Rat gesucht. Ich habe dann das Mädchen, mit der ich die Tage zuvor gelernt hatte, darauf angesprochen und sie war hin und weg von meiner Entscheidung und bestärkte mich nur. Am Montag war es dann soweit. Ich stand auf, bereitete mich vor, zog ein langes Oberteil an, schnappte mir einen schlichten Schal und band mir diesen irgendwie über den Kopf. So ging ich dann zur Uni. In der Uni, aber auch schon auf der Zugfahrt dahin, wurde ich etwas schief angeguckt, aber das war mir so was von egal, weil ich in diesem Moment einfach nur noch stolz auf mich war, dass ich mich getraut habe! Meine Kommilitoninnen haben mein Äußeres gelassen aufgenommen und mich zu meinen Beweggründen befragt. Ich erklärte ihnen alles und dann war die Sache auch gegessen. Auch die eine Kommilitonin, mit der ich ausgiebig über den Islam gesprochen hatte, freute sich irgendwie, dass ich zu diesem Entschluss gekommen bin. An diesem Tag strahlte ich einfach nur etwas Positives aus; wie sagt man so schön: die Nour stand mir im Gesicht. Als ich nach Hause kam und mich meine Eltern so sahen, waren sie anfangs erst etwas verwirrt, aber diese Verwirrung schlug sofort in Freude um und sie beglückwünschten mich zu meiner Entscheidung. Ich ging dann mit meiner Mutter in die Stadt und sie kaufte mir zur Feier des Tages neue Kopftücher.
Alhamdulillah, Allahhu akbar! Ich bin so froh, dass ich es endlich getan habe. Ich danke Allah so sehr für die Rechtleitung! Es ist jetzt eine Woche her und ich habe mich schon sehr gut daran gewöhnt!


Auch über meine Berufsperspektive mache ich mir keine Sorgen mehr, trotz des Kopftuchverbots an Schulen, denke ich mir, in Deutschland wird es doch wohl eine tolerante Schule geben, die mich nehmen wird, inshallah!
Auf die negativen Äußerungen einiger Leute reagiere ich sehr gelassen und versuche meine Situation mit Vernunft zu erklären. Wenn dann eine Freundin die Freundschaft wegen eines Tuches aufgibt, dann zeigt es mir nur, dass dieser Mensch nie gut für mich war! Wenn mir andere sagen, dass ich unterdrückt werde und ich es nur aus Zwang tue, dann zeigt es nur, dass diese Menschen nur mit Vorurteilen argumentieren und vom wahren Islam und den wahren Grund des Kopftuches keine Ahnung haben. Aber diese Situation nutze ich, um die Leute aufzuklären und ihre Vorurteile zu dämpfen, denn nichts ist schlimmer als mit Vorurteilen durch die Welt zu laufen. Man sollte jeden Menschen als eigenständiges Individuum sehen und nicht als Mitglied irgendeiner Gruppe und alle Mitglieder dieser Gruppe über einem Kamm scheren!


„Lieber für das gehasst zu werden, was man ist, als für das geliebt zu werden, was man nicht ist.“

 

Liebe Schwestern im Islam, ich kann euch sagen, dass es für mich die richtige Entscheidung war ein Kopftuch zu tragen, auch wenn einem Steine in den Weg gelegt werden oder wenn einen der Shaytan davon abhält. Tut es, wenn ihr es für richtig haltet und wenn ihr Allah swt noch mehr gefallen wollt. Zeigt den Menschen, dass ihr starke Frauen seid und euch nicht beeinflussen lasst! Stellt euch vor, ihr könntet eure Schönheit nur euren Ehemännern zeigen.
Ich weiß, wir alle sind Mädchen, die die Mode und das Make-up lieben, aber man muss immer abwägen, was wichtiger im Leben ist. Ist es euch wichtiger, was die Anderen von euch denken oder was Allah swt von euch denkt? Man kann auch weiterhin mit Kopftuch modisch gekleidet sein und sich vor der Familie schminken.


Stellt euch die Frage, die ich mir wieder und wieder gestellt habe: „Wie erkläre ich Allah swt, dass ich kein Kopftuch getragen habe?

 

In diesem Sinne: möge Allah uns beschützen und uns unsere Sünden vergeben, denn Allah ist barmherzig und vergibt, wem Er will, die Sünden.


Wa salam aleikum!
 

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