Wie ist aus eins drei geworden?

Gott (oder Götter)?

Auszüge und Zitate  aus „Die Geschichte der Katholischen Kirche“, geschrieben von John Raymond

 

Einleitung

Der Arianismus mit seiner grundlegenden Kontroverse über die Trinität sollte nicht als eine isolierte Theorie von seinem Gründer Arius betrachtet werden. Der Anreiz des Arianismus, welcher seinen Ursprung in Alexandria hatte und sich über das ganze Imperium ausbreitete, sollte eher in den Deutungszusammenhang dieser Zeit gebracht werden. Die

Kirche entstand in einer jüdischen und griechischen Welt. Die Frage, die die nichtchristliche Welt beschäftigte, war der Unterschied zwischen dem ’’Einen und den Mehreren, zwischen der höchsten Einheit, die sich hinter dem erkenntlichen Universum verbarg und der unzählbaren Vielfalt , die auf der Erde existiert.’’

[Ward 1955,38]

 

Die Beziehung zwischen Gott und der Welt

Die Beziehung zwischen Gott und der Welt musste gelöst werden.

Die Juden schlugen einen überlegenen Gott vor, der nach seinem Belieben erschuf.

Es war eine Idee eines vermittelnden  „Wortes oder [einer] Weisheit – Das Wort,

welches verkündet wird und die Weisheit, die erschaffen wird –  wobei

der Vater sich selbst dem Menschen übermittelt und Besitz von ihm ergreift.’’

[Guitton 1965, 81]

Die Griechen konnten nicht verstehen, wie eine begrenzte und veränderbare Welt von einem unendlichen und unveränderten Gott stammen könnte. Sie präsentierten die Idee von  einer  „vermittelnden Intelligenz oder sogar eines Wortes, eine erste Aussendung des ersten Grundsatzes, welcher die Entfernung zwischen Gott und der Welt reduzierte.

[Guitton 1964, 81]

Die urtümliche Kirche musste also „die Ansicht, die sie vom Judentum erbte, mit den Ansichten die sie von der Philosophie erlangte, in Einklang bringen. Der Jude und der Grieche mussten sich im Christen vereinen. Sie mussten eine Antwort finden, die mit der Offenbarung übereinstimmt, die sie von Christus erhalten hatten, wie sie in den Schriften verzeichnet war.“

[Ward 1955, 39]

Der Kampf um die Zusammenführung dieser Gedanken erreichte seinen Höhepunkt in der arianischen Auseinandersetzung. Die Kirche antwortete mit dem  „Ersten Ökumenischen Konzil von Nicäa“, welches die biblischen und philosophischen Gedanken zusammenbrachte, um die Trinität zu erklären.

Das Konzil feierte den Sieg über den Arianismus, aber erst nach fünfzig Jahren bitteren Streitens. Die Imperiale Unterstützung und Verwirrung in der theologischen Terminologie waren die wesentlichen Gründe für einen solch langgezogenen Kampf, wie wir bald sehen werden.

 

Arius und seine Lehre

Arius, geboren im Jahre 256 nach Christus in Ägypten, war ein Pfarrer in Alexandria. Er hatte bei St. Lucian von Antiochia studiert, dem Gründer der Schule von Antiochia, der früher verachtet worden war, weil er in Christus nur einen Menschen sah. Trotzdem wurde er später wieder versöhnt. Er wird als der „Vater des Arianismus“ bezeichnet, weil „Arius und fast alle im 4. Jahrhundert lebenden arianischen Theologen seine Schüler waren. Sie nannten sich selbst die Lucianer und Collucianier; diese entwickelten seine Adoptianismus- und Subordinationismus- Neigungen zu einer völligen Häresie.“

[Harkins 1967, 1057, 1058]

Mit diesem Hintergrund kämpfte Arius mit der Frage der Trinität. Seine Lehre in Alexandria war die folgende: Persönliche Unterscheidungen waren nicht ewig gegenwärtig innerhalb der Natur Gottes...Die Gottheit selbst war für sie verantwortlich...

Man setzt die ewige Gottheit mit dem Vater gleich und betrachtet den Logos ( „logos“ ist einfach das griechische Wort für  „Wort“) nicht mehr als eine Macht oder Eigenschaft des Vaters; er sagte, dass bevor die Zeit begann, der Vater mit der Macht des Wortes den Sohn als Vertreter der Schöpfung erschaffen hatte.

Der Sohn war daher nicht mit der Gottheit gleichzusetzen; er war nur ein Gott im sekundären Sinne und da es eine Zeit gab, da er nicht existierte, konnte er auch nicht ewig sein. Arius betonte die Subordination des Logos in solchem Maße, um zu bekräftigen, dass er ein Geschöpf war, um seine Ewigkeit zu bestreiten und um seine Fähigkeit der Veränderung und des Leidens zu bestätigen.“

[Ward 1955, 41]

Diese Lehren des Arius „trieben die Unterschiede außerhalb der Gottheit und zerstörten so die Trinität. Das bedeutete, das Problem des Einen und der Vielen mit dem Vorschlag einer Theorie eines Höchsten Wesens und zwei minderwertiger Gottheiten zu lösen.

[Ward 1955, 43]

Die Person Christus „gehörte keiner Ordnung eines Wesens an, das die Kirche anerkennen konnte... Er war weder Gott noch Mensch.“

[Ward 1955, 42]

 

Arius gegen den alexandrinischen Bischof

Die Lehren von Arius begannen sich unter den Menschen und dem alexandrinischen Klerus auszubreiten. Der Bischof Alexander  rief eine Versammlung mit den Priestern und Diakonen aus. Der Bischof bestand auf die Einheit der Gottheit. Arius beharrte weiterhin, dass da der Vater den Sohn eingeboren hat, der Sohn erst begann zu existieren.

Daher gab es eine Zeit, in der er nicht existierte. Arius weigerte sich, sich dem Bischof zu unterwerfen und setzte die Ausbreitung seiner Lehre fort.

Alexander rief eine Synode der Bischöfe von Ägypten und Libyen zusammen. Achtzig der hundert anwesenden Bischöfe stimmten für eine Verurteilung und Verbannung Arius‘. Nach der Synode schrieb Alexander Briefe an die anderen Bischöfe, die Arius‘ Ansichten anfechteten.

Dabei benutzte der Bischof Alexander den Begriff  „homoousios“ (=Wesensgleichheit), um den Vater und den Sohn als Wesen einer Einheit zu beschreiben.

Alexander  „benutzte einen Term, welcher zum Schlüsselbegriff der ganzen Auseinandersetzung werden sollte.“

[Ward 1955, 43, 44]

Mit der Entscheidung der Synode floh Arius nach Palästina. Einige der dort lebenden Bischöfe, allen voraus Eusebius von Caesarea, unterstützten ihn. Von dort aus setzte Arius seinen Weg nach Nicomedien, das in Kleinasien liegt, fort. Der Bischof dieser Stadt, Eusebius, hatte bei Lucian von Antiochia studiert. Er wurde zum einflussreichsten Unterstützer von Arius.

Aus dieser Stadt warb Arius um weitere Hilfe von anderen Bischöfen, von denen viele bei Lucian studiert hatten. Seine Unterstützer hielten ihre eigene Synode, in der sie Arius‘ Ansichten für orthodox erklärten und Bischof Alexander von Alexandria verurteilten. Arius schien eine sehr gute Basis für diese Verurteilung zu haben.

Der Term homoousios wurde von Alexanders eigenem Vorgänger Dionsysus abgelehnt, als man gegen die Sabellianer debattierte (Sabellianer erklärten den Vater und den Sohn für identisch).

Diese ganze strittige Angelegenheit fand zu jenem Zeitpunkt statt, als die Kirche gerade aus der römischen Unterdrückung herauskam.

 

Konstantin und Ossius

Mit dem Aufstieg zur Macht Konstantins wurde das Christentum die Religion des römischen Reiches. Konstantin hatte das Imperium politisch vereint, war aber bekümmert, einen gespaltenen Christentum zu finden. Konstantin, der die Wichtigkeit dieses Meinungsstreites sicherlich nicht verstand, schickte seinen obersten geistlichen Ratgeber mit Briefen zu Alexander und zu Arius.

In den Briefen versuchte er die beiden zu versöhnen, indem er sagte, dass ihre Unstimmigkeiten lediglich eine Sache des Ausdrucks wären. Beide seien überaus einstimmig bezüglich der hauptsächlichen Glaubenslehren und keiner der beiden wäre in Ketzerei verwickelt.

Die Briefe brachten nicht das gewünschte Ergebnis. Im Jahre 325 nach Christus hatte Ossius den Vorsitz über das Konzil von Orient in Antiochia, welches von neunundfünfzig Bischöfen besucht wurde, von denen später sechsundvierzig beim Konzil von Nicäa anwesend sein würden. Das Konzil in Antiochia war ein Vorläufer des späteren Konzils in Nicäa.

Unter dem Einfluss von Ossius wurde ein neues kirchliches Verfahren eingeführt – das Erlassen eines Glaubensbekenntnisses. Bei diesem Konzil wurde der Arianismus verurteilt, ein Beruf des Glaubens ähnlich der alexandrinischen Überzeugung wurde promulgiert und drei Bischöfe, die sich weigerten, mit der Lehre dieses Konzils übereinzustimmen, wurden vorläufig bis zum Konzil von Nicäa verbannt.

Römischer Kaiser ruft zum Konzil seiner Kirche (Universale oder Katholische Kirche von Rom). Im Sommer des Jahres 325 nach Christus, da, wo heute die Türkei ist, rief Konstantin, wahrscheinlich auf den Vorschlag von Ossius hin, ein allgemeines Konzil der Kirche in Nicäa und Bithynien zusammen.

Dass ein römischer Kaiser ein Konzil ausrief, war nichts Unübliches, da er in hellenistischen Überlegungen „die absolute Macht Gottes in materiellen und spirituellen Angelegenheiten erhalten hatte.“

[Davis 1987, 56]

Das Konzil von Nicäa. Das Allgemeine Konzil wurde zahlreich von den wichtigsten Menschen des östlichen Imperiums besucht. Auch einige westliche Bischöfe waren anwesend. Aufgrund seines hohen Alters und einer Krankheit konnte Papst Sylvester nicht teilnehmen, schickte jedoch zwei päpstliche Legate. Die Gesamtzahl der anwesenden Bischöfe ist umstritten.

Eusebius von Ceasarea, der anwesend war, behauptete, dass es 250 waren. Athanasius, der ebenfalls unter den Anwesenden war, nannte 300. Nach dem Konzil wurde eine symbolische Anzahl von 318 Besuchern festgelegt. Moderne Gelehrte setzen die Zahl bei 220 an.

Entnimmt man eine Szene aus den Verfahren des Konzils, so wird klar, dass sie in dieser Form nicht mehr existieren. Wir wissen von den Schriften von Rufinus, dass „es tägliche Sitzungen gab und dass Arius oft zu der Versammlung zitiert wurde; seine Argumente wurden aufmerksam bedacht. Die Mehrheit, vor allen Dingen die Beichtväter des Glaubens, stellten sich tatkräftig gegen die gottlosen Glaubenslehren von Arius.“

[LeClercq 1913, 45]

Bezüglich des Glaubensbekenntnisses, das innerhalb des Konzils formuliert wurde „gaben Eusebius von Caesarea, Athanasius von Alexandria und Philostorgius auseinandergehende Berichte darüber, wie das Glaubensbekenntnis verfasst wurde.“

[LeClercq 1967, 792]

Laut einer Rekonstruktion der Ereignisse bot Eusebius von Nicomedien ein Glaubensbekenntnis an, dass die arianischen Ansichten begünstigte. Jenes Glaubensbekenntnis wurde vom Konzil abgelehnt. Eusebius von Caesarea schlug ein baptistisches Glaubensbekenntnis vor, welches in Caesarea benutzt wurde. Obwohl dieses Glaubensbekenntnis akzeptiert wurde, scheint es nicht die Basis des Glaubensbekenntnisses des Konzils gebildet zu haben. Es wurden Versuche unternommen, ein Glaubensbekenntnis zu verfassen, welches nur biblische Terme beinhaltet.  Diese Glaubensbekenntnisse erwiesen sich als unzureichend, um die arianischen Gedanken ganz auszuschließen.

 „Letztendlich, so scheint es, wurde ein syro-palästinisches Glaubensbekenntnis als Grundlage für ein neues Bekenntnis herangezogen... Das endgültige Glaubensbekenntnis ist in den Schriften von Athanasius, dem historischen Sokrates, von Basilius von Caesarea und in den Gesetzen des Konzils von Chalcedon von 451 erhalten geblieben.“

[Davis 1987, 59]

Als das Glaubensbekenntnis fertig war, lehnten achtzehn Bischöfe es immer noch ab.

An diesem Punkt drohte Konstantin jedem mit Exil, der es nicht unterzeichnete. Zwei libysche Bischöfe und Arius weigerten sich dennoch, das Glaubensbekenntnis zu akzeptieren. Alle drei wurde dann ins Exil geschickt. Das Glaubensbekenntnis und eine Analyse einiger Stellen der literarischen Übersetzung des Nicäischen Glaubensbekenntnisses lauten wie folgt:

 Wir glauben an einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater (homoousion to patri); durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist (…) Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“ und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“, und er sei aus dem Nichtseienden geworden, oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit, oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar, die verdammt die katholische Kirche. [richtig: die belegt die katholische Kirche mit dem Anathema]

 

[LeClercq 1913, 45]

Die Arianer waren sehr geschickt darin, die Sätze in diesem Glaubensbekenntnis so zu verdrehen, dass es ihre Glaubenslehren widerspiegelte. Der Sohn als ein  „gezeugter des Vaters“ wurde von ihnen so interpretiert, dass der Sohn aus dem Nichts erschaffen worden war. Aber um ihrer Glaubenslehre zu trotzen, wurde dem Glaubensbekenntnis der Satz „gezeugt, nicht geschaffen“ hinzugefügt, der ihre Ansicht, dass der Sohn einen Anfang hatte, vollkommen ausschloss. Eine andere arianische Lehre besagt, dass der Sohn nur bei der Gnade und beim Namen Gott war.

Der Ausschnitt aus dem Glaubensbekenntnis  „wahrer Gott aus wahrem Gott“ war eine Bestätigung dafür, dass der Sohn entgegen der arianischen Position wirklich Gott ist. Die wichtigste Aussage des Glaubensbekenntnisses,  die bekräftigt, „dass der Sohn dasselbe Wesen wie der Vater ist und er daher vollauf göttlich“, war: „eines Wesens mit dem Vater (homoousios)“
[Davis 1987, 61]

Diese Aussage zerstörte die arianische Ansicht des Sohnes als ein vermittelndes Wesen zwischen Gott und seiner Schöpfung völlig. Im Falle, dass dieses Glaubensbekenntnis nicht genug war, um die arianischen Auseinandersetzungen zu beenden, wurden Anathemas hinzugefügt, die die arianischen Glaubenslehren verdammten.

Die arianische Ablehnung einer „Mitewigkeit“ des Sohnes mit dem Vater wird in den zwei Sätzen „es gab eine Zeit, da er nicht war“ und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“ ausgedrückt.

Der arianische Glaube, dass der Sohn aus dem Nichts erschaffen wurde, wird in diesem Satz deutlich: „Er entstand aus Sachen, die es nicht gibt.“ Die arianische Glaubenslehre, die besagt, dass der Sohn als eine Schöpfung moralischer Veränderlichkeit ausgesetzt war und nur durch reinen Willensakt tugendhaft blieb, wird im folgenden Satz ausgedrückt:  „Er ist veränderlich oder wandelbar.“

Schlussendlich wird die arianische Ansicht, dass der Sohn dem Vater untergeordnet und nicht wirklich Gott ist, in dem Satz deutlich:  „(…) der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit.“  Mit diesen speziellen Verfluchungen schienen die Arianer und ihre Ketzerei beendet zu sein. Da die östliche Kirche griechisch und die westliche Kirche Latein benutzte, waren Missverstände über die theologische Fachsprache vorherbestimmt.

Ein Beispiel dieser Verwirrung ist die Aussage: „der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit“

Die zwei Wörter wurden in der östlichen Kirche als synonym angesehen, während man in der westlichen Kirche unter Hypostase einen Menschen verstand. Also sah es für einen Abendländer so aus, als verurteile das Konzil die Ansicht, dass der Sohn eine andere Person sei als der Vater, was ganz klar ein Fehlschluss wäre. Später erst macht die östliche Kirche, wie im Westen,  eine Unterscheidung zwischen Hypostase und dem Wesen (ousia).

Dieses Beispiel der Verwirrung „deutet auf die terminologische Schwierigkeit, die weiterhin die östliche Theologie verkomplizierte und die westliche Kirche über die östlichen Ansichten durcheinanderbrachte.“

[Davis 1987, 63 ]

Ein zweiter und sehr wichtiger Ausdruck, der vom Konzil benutzt wurde, war homoousios. Zu dieser Zeit konnte dieses Wort drei verschiedene Bedeutungen haben.

  •  „Erstens könnte es unspezifisch sein;  Aus einer Substanz bestehend könnte man zu zwei Individuen sagen, die beide die menschliche Natur gemein haben und dennoch Individuen bleiben.
  • Zweitens kann es eine zahlenmäßige Gleichheit bedeuten, das heißt, dass der Vater und der Sohn in ihrem konkreten Wesen identisch sind.
  •  Schlussendlich könnte es sich auf materielle Dinge beziehen, so wie zwei Töpfe aus der gleichen Substanz bestehen, weil beide aus demselben Ton hergestellt wurden.“

[Davis 1987, 61]

Das Konzil zog die erste Bedeutung heran, um die Gleichheit des Sohnes und des Vaters zu betonen.

Wenn die Absicht des Konzils die zweite Bedeutung gewesen wäre, dann würde das bedeuten, dass der Vater und der Sohn identisch und nicht unterscheidbar wären – ganz klar eine Sabellianische Häresie.

Die dritte Bedeutung gibt dem Wort eine materialistische Tendenz, die schlussfolgert, dass der Vater und der Sohn Teil desselben Materials sind.

Zusammen mit diesen möglichen Missverständnissen über die Bedeutung des Wortes homoousios ist die Geschichte dieses Wortes eng mit Ketzereien verbunden.

Das Wort wurde ursprünglich von den Gnostikern verwendet [1]. Das Wort wurde am Konzil von Antiochia aufgrund seiner Verwendung von dem Adoptionisten Paul von Samosata sogar verbannt.

Ein andere Faktor, der dieses Wort unbeliebt machte, war die Tatsache, dass es nie in der Heiligen Schrift verwendet wurde. Die Niederlage des Konzils durch den Arianismus. Es ist nicht verwunderlich, dass aufgrund der Verwendung des Wortes homoousios das Konzil in Frage gestellt werden konnte.

Bischof Eusebius von Nicomedien erlangte das Vertrauen des Kaisers Konstantin. Er überzeugte Konstantin, dass der Gebrauch des Wortes homoousious sabellianisch war (= Vater und Sohn sind identisch). Der Kaiser befürwortete nun die Arianer. Mit dem Tod von Konstantin wurde das Imperium unter seinen Söhnen aufgeteilt. Constans, der im Westen regierte, bevorzugte Nicäa, während sein Bruder Constantius, der im Osten herrschte, gegen Nicäa war.

Unterstützer von Nicäa im Osten, allen voraus Bischof Athanasius, wurden vom Einweihungskonzil von Antiochia ihrer Ämter enthoben und verbannt. Dieses Konzil attackierte direkt das Konzil von Nicäa, indem es sein eigenes Glaubensbekenntnis verkündete, welches die Stellen „aus dem Wesen des Vaters“ und „homoousious“ auslässt.

Es wurde versucht, ein Ersatzwort für homoousios zu finden. Zwischen 341 und 360 wurden ganze vierzehn Konzile gehalten, „bei denen jede Nuance der ketzerischen List zum Ausdruck kam... Der Ausdruck ‚ähnlich im Wesen‘ homoiousion... wurde bloß übernommen, um vom nizänischen Schema loszukommen.“

[Barny 1913, 709]

Nicht alle Arianer, oder nach ihrem neuen Namen Halb-Arianer, stimmten mit diesem Wort überein. Eine Gruppe betonte, dass Vater und Sohn „ungleich“ oder anomoios waren. Eine andere Gruppe benutzte das Wort „gleich“ oder homoios, um die Beziehung zwischen Vater und Sohn zu beschreiben.

Nach dem Tod von Constans im Jahre 350 wurde sein anti-nizänischer Bruder Constantius alleiniger Herrscher des Reiches. Der neue Kaiser verlangte, dass alle Bischöfe des Reiches sich mit dem Ausdruck homoios einverstanden erklärten. Im Jahr 359 rief er zwei Konzile aus, eins im Osten in Seleucia und das andere im Westen in Rimini.

Beide Konzile wurden unter den Drohungen des Kaisers und mit rationalisierenden Argumenten, die die Gemüter beruhigen sollten, dazu gebracht, das Wort homoios zu unterzeichnen. „Dieser homoeanische Sieg wurde vom Konzil von Konstantinopel bestätigt und im darauf folgenden Jahr der ganzen Kirche auferlegt.“ Die Wörter homoousios, homoousios und anomoios wurden hierbei verbannt.“

[Ward 1955, 57]

Es schien, als hätten die Arianer über das Bekenntnis von Nicäa triumphiert. Die letzte Schlacht. Der scheinbare Triumph des Homoeismus hielt nur kurze Zeit an.

Erstens erlangte er nur durch kaiserlicheAuferlegung Beliebtheit. Nach dem Tod von Constantius im Jahre 361 zerfiel diese Beliebtheit.

Zweitens kam es durch Verfolgungen von homoousios- und homoousios Unterstützern „zu einem besseren Verständnis und letztendlich zu einer Versöhnung der beiden Gruppen.“

[DeClercq 1967, 793]

Athanasius, ein leidenschaftlicher Verteidiger des Wortes homoousios, der den Lehren der alexandrinischen Gedankenkette folgte, fing an, seine Überlegungen der Einheit Gottes zu widmen. So schlussfolgerte er, dass der Sohn und der Geist, die diese Einigkeit teilten, aus demselben essenziellen Wesen bestehen müssen.

Die Kappadozier Basilius von Caesarea, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa schlossen sich den Homoiousianern an.

Sowohl ihr Ausgangspunkt als auch der der Leute aus Antiochia war der individuelle Aspekt der göttlichen Persönlichkeit. Mit der Hilfe von Athanasius kamen sie zu der Erkenntnis, dass die drei Personen als Gott auch dieselbe identische Substanz haben müssen. Als sie den Begriff homoousios benutzten, hatten die Kappadozier „nie gewollt, die Einigkeit zu verleugnen, sondern nur die Unterscheidung der Personen zu wahren.“

[Ward 1955, 58]

Beide kamen zu dem Ergebnis, dass obwohl sie verschiedene Fachbegriffe benutzten, sie im Grunde dasselbe meinten.

Die Kappadozier akzeptierten schließlich den Begriff homoousios. Athanasius hingegen akzeptierte die kappadozische Lehre der Dreieinigkeit – ein Wesen (ousia) in drei verschiedenen Personen (hypostaseis).

Ungefähr zu der Zeit, als Athanasius und die Kappadozier zur einer Übereinstimmung gelangten, schritt eine weitere Entwicklung voran. Der Osten und der Westen gelangten zu einem besseren Verständnis ihrer gegenseitigen theologischen Terminologie.

Bei der Synode von Alexandria im Jahr 362 wurde das Nicäische Glaubensbekenntnis nochmals bestätigt; Die Begriffe ousia und hypostasis wurden erklärt und der Mazedonianismus (aufgrund seiner Unterordnung des Heiligen Geistes manchmal auch als eine Form vom Halb-Arianismus bezeichnet) wurde verbannt.

Unter dem östlichen Kaiser Valens (364-378) war der Term des homoeismus noch immer bevorzugt. Im Westen führte Ambrosius von Mailand den Kampf für das Nicäische Bekenntnis. Während des Konzils von Sirmium im Jahr 378 wurden mit der Unterstützung vom westlichen Kaiser Gratian sechs arianische Bischöfe abgesetzt.

Im Osten konnten unter dem Nachfolger von Valens, dem mit der nizänischen Sichtweise sympathisierenden Kaiser Theodosius I, alle unter Valens verbannten Bischöfe zu ihren Diözesen zurückkehren. Im Jahr 381 rief er zu einem regionalen Konzil in Konstantinopel. Der erste Kanoniker dieses Konzils sagte aus, dass „der Glaube der 318 Väter, die sich in Nicäa in Bithynien versammelt hatten, nicht ungültig gemacht werden darf, sondern weiterhin durchgesetzt werden soll.“

[Davis 1987, 126]

Im Jahr 380 verbot Kaiser Theodosius den Arianismus. Der endgültige Sieg über den Arianismus fand im Jahre 381 während des Konzils von Konstantinopel im Osten und des Konzils von Aquileia im Westen statt. Beide „besiegelten die entgültige Einführung des Glaubens von Nicäa für alle Kirchen.“

[DeClercq 1967, 793]

 

Fazit

Das Konzil von Nicäa war letzten Endes siegreich. Es vergingen fünfzig Jahre bitteren Kampfes zwischen den Erhaltern des Konzils von Nicäa und denen, die dagegen waren. Die arianische Häresie schien beendetzu sein, als das Konzil ihre Lehren so gezielt mit dem Kirchenbann belegte.

Die verbannten arianischen Lehren waren folgende:

  • Der Sohn wurde vom Vater aus dem Nichts erschaffen
  • Somit war der Sohn nicht Gott im strengen Sinne, sondern nur durch Gnade und nur namentlich
  • Vater und Sohn bestanden nicht aus demselben Wesen
  • Der Sohn war als eine Schöpfung moralischer Veränderlichkeit ausgesetzt und verblieb nur durch reinen Willensakt tugendhaft.

Terminologische Schwierigkeiten hatten den Arianern die Tür geöffnet, nach dem Konzil weiterzumachen. Besonders zutreffend war dies auf das Wortes homoousios (aus demselben Wesen), welches vom Konzil benutzt wurde, um die Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn zu beschreiben.

Die Arianer konnten Profit aus einer anderen Bedeutung des Wortes ziehen, nach der es „Identität“ bedeutete. Sie behaupteten, dass das Konzil sagte, der Vater und der Sohn seien gleich, um so das Konzil zu entkräftigen. Die Arianer begannen nun ihre eigenen Bekenntnisse zu verfassen, wobei sie entweder diesen Begriff beseitigten oder ihn mit einem anderen Wort ersetzten. Dies führte zu Spaltungen der Arianer in diverse Gruppen, je nachdem, welchen Term sie befürworteten – anomoios (ungleich) , homoios (gleich) oder homoiousion (ähnlich im Wesen).

Es ist offensichtlich, dass die kaiserlische Beteiligung in diesem Meinungsstreit in jedem gegebenen Moment bestimmt hat, ob das Konzil von Nicäa oder der Arianismus die Auseinandersetzung dominierte. Mit der Auferlegung des Wortes homoios auf die Kirche durch den Kaiser Constantius schien die Arbeit des Konzils von Nicäa dem Untergang geweiht. Die Beliebtheit dieses Wortes starb jedoch mit dem Kaiser.

Die Verfolgung sowohl der Homoiousianer als auch der Homoiousianer zwangen beide zu einem Dialog. Die zwei bedeutenden Vertreter dieser Positionen, St. Athanasius und die Kappadozier, fanden eine theologische Basis für ihr endgültiges Abkommen, was den Weg zum Triumph des Konzils von Nicäa ebnete. Dieser Vorfall, später gekoppelt mit östlichen und westlichen Kaisern, die für Nicäa waren, führte zum endgültigen arianischen Niedergang.

 

Referenz:

[1] Gnostiker –bedeutet „geheimes oder verstecktes Wissen zu kennen“ Lit., jene, die wissen; ein mystischer Orden des Christentums. Sie sind oft dafür bekannt, dass sie alles Weltliche aufgeben, abseits von der Gesellschaft und einsiedlerisch leben, fasten und unverheiratet bleiben. Mögliche Vorgänger sufistischer Orden, die man unter heutigen Muslimen findet.

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