Das Konzil von Nicäa 325 n.C.

Was bedeutete dies und wie veränderte es das Christentum?

Man lese, was die Katholische Kirche über sich selbst sagt:

Dem römischen Kalender entsprechend war es das Jahr 325 nach Christus. Auf Befehl von Kaiser Konstantin wurde eine Versammlung einberufen. Er war der Führer des Kultes, der als Sole Invictus (Unbesiegbare Sonne) bekannt war und wollte nun die christlichen Sekten im Herrschaftsgebiet in seiner bestehenden Kirche, der Römischen Kirche, vereinen. Bei dieser Versammlung sollten viele Veränderungen innerhalb des Christentums vorgenommen werden, die Folgendes beinhalteten:

 Neuformulierung der Trinität (Dreifaltigkeit), die auf Anthanias gründet (Beschreibung der Formulierung unten erwähnt)

Veränderung von Bilbelversen, Entfernung bestimmter Verse und Bücher aus der Bibel
 Erklärung des Unitarismus (Glaube an den einzigen Gott) des Arius zur Häresie (von griechisch αἵρεσις, haíresis „Wahl, Auswahl“) oder Heterodoxie (Andersgläubigkeit)
Verlegung des Tages der Anbetung und Verehrung von Samstag auf Sonntag
Verlegung des Geburtstags Jesu auf den 25. Dezember
Einführung des Osterfestes (heidnisches Fest, das Fest der Istha (Göttin der Liebe, des Krieges und der Fruchtbarkeit)
Die Kirche Roms wurde offiziell Die Vereinte Kirche des Heiligen Römischen Reiches. Katholisch bedeutet in diesem Zusammenhang allumfassend.
Die römisch-katholische Kirche hatte nun ein neues Gesicht.

Das Folgende ist ein Zitat der römisch-katholischen Kirche. Es ist ihre Erklärung der Gründe, die hinter den Veränderungen steckten, die auf dem Konzil von Nicäa vorgenommen wurden. (Anfang des Zitats)


Das Konzil von Nicäa wird von allen als das Erste Ökumenische Konzil der Kirche (der römisch-katholischen Kirche) bezeichnet. Anlass war die Häresie Arius‘, die tatsächlich der Göttlichkeit Jesu ablehnte. Das Hauptanliegen war das Bekenntnis von Nicäa, jedoch wurden ebenso das Osterdatum und der Ort des Patriarchats von Alexandria besprochen.

 

Anlass für das Konzil

Die arianische Häresie befiel Teile der Kirche von Alexandria über Palästina, Syrien, Asien bis Griechenland. Es war schlimm genug, dass man den ursprünglichen christlichen Lehren widersprach, jedoch bestand zusätzlich die Gefahr, dass das Imperium selbst geschwächt werden könnte. So nahm Konstantin, der versuchte, das Reich zu vereinen, aktiv daran teil, das Problem zu lösen. Er berief eine Versammlung der Bischöfe der Kirchen ein. Zunächst einmal hatte es den Anschein, dass er lediglich Bischöfe aus dem Osten im Sinne hatte, da er das heutige Ankara als Ort der Versammlung vorgesehen hatte. Der Arianismus hatte besonders dort die Kirchen gespalten. Dies jedoch hätte es ihm erschwert, selbst teilzunehmen, außerdem schien es vorteilhaft, dass die anderen Bischöfe, d.h. jene, die nicht unbedingt in den Meinungsstreit verwickelt waren, beiwohnten. Schließlich entschied man sich für Nicäa in der Byzanz (heutiges Istanbul). Nicäa befand sich am Meer und erleichterte die Anreise mehrerer Bischöfe. Konstantin verfügte über einen Palastkomplex, der es ermöglichte, die Bischöfe unterzubringen. Ein großer Saal diente den Versammlungen und Konstantin hatte vom  nahegelegenen Nikomedia aus (das heutige İzmit in der Türkei) ein Auge auf sie.


Konstantin selbst war stark von bestimmten arianistischen Bischöfen, besonders von Bischof Eusebius von Nikomedia, beeinflusst. Wenn Konstantin selbst tatsächlich keine arianistischen Tendenzen hätte, wäre er von ihnen darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass ein kirchliches Konzil aufzeigen würde, dass die Lehren des Arius korrekt wären. Es würde Konstantin zugutekommen, wenn die Bischöfe des Konzils dagegenstimmen, den Arianismus verwerfen und mit überwältigender Mehrheit die traditionelle Doktrin bestätigen würden, sodass er sich 100% hinter sie stellte und ihre Entscheidungen verbreitete.


Das Konzil rief

Er berief das Konzil (Einladungen an wichtige Bischöfe) mittels der imperialen Post ein, die bisher für die Zivilverwaltung und militärische Angelegenheiten eingesetzt wurde. Selbstverständlich wollten auch die Bischöfe  diese Angelegenheit klären; die Häresie und die Schismen rissen die Kirchen auseinander, aber Konstantins Ruf zu einem generellen Konzil und die Art, wie das Konzil gehandhabt wurde, zeigt, in welch hohem Maße eine Einigkeit zwischen Kirche und Staat herrschte.

Konstantin stellte den Bischöfen die imperialen Beförderungsmittel zur Verfügung. Dies ermöglichte es ihnen, jederzeit seine Boote, Karren, Wagen oder Pferde zur Fortbewegung zu nutzen, d.h. unter dem Schutz der römischen Armee (Reisen war nicht nur schwierig, sondern aufgrund von Straßenräubern auch gefährlich)  alle Verkehrsmittel zu benutzen, die das Reich zu bieten hatte.

300 Bischöfe nahmen an dem Konzil teil (Ambrosius von Mailand und Hilarius von Poitiers berichten von 318 Teilnehmern, aber dies könnte eine symbolische Zahl sein, die Abrahams 318 Diener repräsentieren soll, Gen 14:14), von denen die Mehrzahl aus dem Osten kam. Nicht wenige der Bischöfe, die teilnahmen, wurden verstümmelt und viele ihrer Vorgänger waren von derselben Armee getötet worden, die sie nun beschützte; sie zuckten zusammen, als die Soldaten mit ihren Schwertern und glänzender Rüstung an beiden Seiten der Prozession eine Ehrengarde bildeten. Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Bischöfe Debattier- und Entscheidungsfreiheit hatten (zumindest bei diesem Konzil), weil diese eine Bestimmung des Römischen Senats war, nach dem ein Konzil ausgerichtet ist. Für jene Bischöfe, die noch vor kurzer Zeit verfolgt wurden, müssen die Soldaten, die im Saal wachten, um für Ordnung zu sorgen und Störungen von außen zu verhindern, ein Symbol für imperiale Macht und Einfluss gewesen sein, die früher auf sie losgelassen wurde.

Konstantin persönlich eröffnete das Konzil mit einem von Leidenschaft erfüllten Plädoyer für Einheit und Frieden und sein guter Freund Bischof Eusebius von Cäsarea (vermutlich Anhänger des Arius, zumindest aber Sympathisant) gab die Eröffnungsrede. Dem Römischen Senat entsprechend nahm ein weiterer vertrauter Freund Konstantins teil, Hosius, Bischof von Córdoba in Spanien, der 30 Jahre zuvor bereits einem Konzil in Elvia, Spanien, beigewohnt hatte. Hosius kam in Begleitung von Delegaten des Papst Sylvester, der einfachen Priester Vitus und Vicentius. Alles entsprach genau den Vorgaben des Senats. Die Geschichtsschreibungen jener Zeit dokumentieren nicht, warum die Delegaten des Bischofs von Rom solch einen hervorstechenden Platz im Konzil inne hatten. Katholiken betonen gern, dass der Grund dafür war, dass der Papst eine autoritäre Stellung oder Führerschaft über die Bischöfe inne hatte. Andere sagen, es sei so, weil in Rom der Sitz der Zivilverwaltung war (sie wurde jedoch kurz vorher von dort nach Konstantinopel verlegt). Dieses System wurde bei vielen folgenden Konzilen beibehalten. 



Das Bekenntnis von Nicäa

Das große Ereignis war das Bekenntnis von Nicäa, welches auf folgende Weise verfasst wurde:

Die meisten stimmten zunächst für eine biblische Ausdrucksweise, die klar Stellung gegen den Arianismus und für die Verkündung der katholischen Doktrin nimmt. Als die Diskussionen voranschritten, wurde jedoch offensichtlich, dass es kein biblisches Vokabular gab, das die orthodoxe Lehre korrekt wiedergeben würde. Man führte einen philosophischen Terminus, Homoosios (selbe Substanz wie) ein, um auszudrücken was gemeint war und was schon immer  die katholische Lehre war, es musste jedoch immer noch nach einer Formel gesucht werden, die ihre Ansichten zusammenfasste und ihre Botschaft verkündete. Von allen Bischöfen verfasste  ausgerechnet Eusebius von Caesarea, der ein Jahr zuvor auf der Synode in Antiochia misshandelt worden war, ein Bekenntnis, das er in seiner Kirche verwendete. Solange es funktionierte, stimmten die übrigen Bischöfe zu, fügten aber noch einiges hinzu, um deutlich zu machen, dass die Ansichten Arius‘ den ihren widersprachen. Dieses Bekenntnis würde weiter von dem Ersten Konzil Konstantinopels abgeändert werden, von nun an unter dem offiziellen Namen Bekenntnis des ersten Konzils von Konstantinopel (Nicäno-Konstantinopolitanum). Vielleicht sollte es eher das Caesarinisch-Nicäanisch-Konstantinopolitanische Bekenntnis heißen.

An dieser Stelle ist es angebracht, etwas zu erklären, das Konzile beinahe als Nebenprodukt zu tun pflegen. Hauptsächlich ist es das Ziel eines Konzils, zumindest eines dogmatischen Konzils, eine bereits bestehende Doktrin der Kirche unmissverständlich deutlich zu machen. In Nicäa jedoch gab es nicht wenige Bischöfe, die sich, trotz guten Vorsätzen und Offenheit gegenüber dem Geist, schwer dabei taten, eine eindeutige Erklärung für die Beziehung des Sohnes zum Vater zu geben. Da sie aber Demut und guten Willen besaßen, lernten sie von den Diskussionen des Konzils, während sie gleichzeitig ein Teil des Konzilprozesses waren. Von daher kann ein Konzil auch für Bischöfe lehrreich sein. Alle anwesenden Bischöfe unterschrieben das Bekenntnis, bis auf zwei, Secundus von Ptolemais und Theonas von Marmarica. Konstantin verbannte sie zusammen mit Arius (den er später zurückrief).



Datum des Osterfestes

Unter anderem wurde das Datum des Osterfestes (so nahm man zumindest an) festgelegt. Während die meisten Ostern an einem Sonntag feierten, um der Auferstehung Jesu zu gedenken, gab es einige, die entsprechend der jüdischen Betrachtungsweise an Wochentagen (sogar am Karfreitag) feierten (Quartodezimanische Kontroverse, von der Papst Victor spricht, 189-198) und von jenen, die sich an den Sonntag hielten, hielten nicht alle denselben Sonntag ein. Konstantin wollte, wie viele andere Bischöfe, ein allgemeingültiges Datum festsetzen. Bis zum heutigen Tage ist es umstritten, was die Väter des Konzils mit ihrer Entscheidung beabsichtigten und Ostern wird noch immer zu verschiedenen Zeiten gefeiert, jedoch sind ihre Erlässe, wie von den meisten angenommen, folgende:

Ostern soll von allen zur selben Zeit gefeiert werden (die Verordnung beinhaltete ein allgemeingültiges Datum, mit dem alle einverstanden waren)

Jüdische Bräuche galt es nicht zu befolgen (ein Punkt, der von den Griechen nicht angeführt wird, wohl aber deutlich in den Schriften des Konzils und in Eusebius Bericht enthalten ist)

Dass die Ausübung Roms und Alexandrias (damals Westen und Ägypten) in Kraft bleiben sollte, nämlich den Sonntag nach dem ersten Vollmond des frühjährlichen Äquinoktiums (Die Griechen zitieren nicht den ersten, sondern nur den zweiten Teil dieses Punktes). Selbst Alexandria und Rom waren lange Zeit nicht einverstanden aufgrund der Berechnungen (Fehlkalulationen) des Datums der Tagundnachtgleiche. Rom feierte das Äquinoktium am 18. März und Alexandria am 23. März. Da dies eine wissenschaftliche Angelegenheit ist, d.h. es ist in der Mitte des kürzesten und des längsten Tags im Jahr anberaumt, löste man das Problem, indem man verschiedene Zyklen ersann, sodass ein fester Tag im Mondkalender (14. des Monats Nisan) nach einem bestimmten Muster im Julianischen Kalender vorkommen würde. Heutzutage sind Griechen und Orthodoxe immer noch der Ansicht, dass das römische Datum des Osterfestes falsch ist, da sie sagen, dass das Konzil von Nicäa festgesetzt habe, dass die Auferstehung immer nach dem jüdischen Passahfest gefeiert werden müsse.

Nun muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass lediglich unvollständige Berichte und Erlässe vom Konzil von Nicäa vorliegen. Was wir tatsächlich haben, ist das Bekenntnis von Nicäa, die Disziplinarmaßnahmen gegen die Arianer, 20 disziplinarische Grundsätze, ein Brief an die Kirche von Alexandria und eine Anwesenheitsliste der Bischöfe (die sich von Sprache zu Sprache unterscheidet).

Die übrigen Grundsätze (wenn sie überhaupt authentisch sind) wurden aus anderen Quellen, einschließlich arabischer Schriften, entnommen. Indem die Griechen Nicäa bezüglich Ostern nach dem jüdischen Passahfest zitieren, kann man folgern, dass die Griechen über Quellen verfügen, die nicht gemeinhin bekannt sind und die stärker sind, als der Westen annimmt. Zum Beispiel zitiert Eusebius von Caesarea in seinem Schreiben gleich nach dem Konzil aus dem Brief des Kaisers Konstantin an alle, die nicht beim Konzil anwesend waren:

“… in Bezug auf das Osterfest… wurde erklärt, dass es besonders unwürdig wäre, bei diesem allerheiligsten Fest dem Brauch der Juden zu folgen. Daher sollten wir nichts mit den Juden gemein haben. Wir möchten uns von der verhassten Gemeinschaft der Juden trennen, denn es ist mit Sicherheit eine Schande für uns, die Juden prahlen zu hören, dass wir das Osterfest ohne ihre Führung nicht halten könnten. In ihrer Blindheit feiern sie oft zwei Passahfeste im selben Jahr… Wie könnten wir diesen Juden dann folgen… denn das Passahfest zweimal im Jahr zu feiern ist absolut unzulässig.“

 

Das Patriachat von Alexandria

Eine andere Frage, die das Konzil aufgriff, war (Kanon 6) die Stellung der antiken Erzbistümer von Alexandria, weil es dort Probleme in der Rechtssprechung wegen des Melitianischen Schismas gab. Der Zweck des Konzils war es, Ordnung in die Kirche Alexandrias zu bringen, aber indem man dies versuchte, wurde aufgedeckt, was im Begriff war, sich in der Kirche zu entwickeln, nämlich, dass man die erzbischöflichen Zentren des Christentums auflistete und sie nach dem Grad der Wichtigkeit ordnete. Nicht wenige sahen darin einen Protestruf gegen jene Teile mancher Bistümer, die die weniger wichtigen Orte “herumkommandierten“. Wahrscheinlich war dies zutreffend (später war es eindeutig zutreffend). Aber dies würde den Eindruck erwecken, dass das Konzil lediglich das Ziel hatte, Ordnung zu schaffen und die Verantwortung für die Erhaltung von Ordnung und Orthodoxie an starke und fähige Zentren der christlichen Lehre zu übergeben. Kurz gesagt äußerte das Konzil, dass Alexandria ganz Ägypten, Libyen und Petrópolis unter seiner Rechtssprechung hatte. Bei der Lösung dieses Problems in Bezug auf Alexandria, erwähnten sie nebenbei, als ob man es auch unerwähnt lassen könnte, dass Alexandria nur unter Rom stand, das ähnliche Rechte im Westen hätte. Antiochia wurde als Drittplatzierter erwähnt, sein Territorium wurde jedoch nicht definiert.  

Sie erinnern alle an die Wichtigkeit des Erzbistums von Jerusalem, lassen es dennoch  (Kanon7) unter der Rechtssprechung von Caesarea bestehen. (Bedenke, dass Jerusalem im Jahre 70 von Titus zerstört wurde und es einige Zeit brauchte, bis Christen dorthin zurückkehren konnten). Natürlich gab es damals noch kein Konstantinopel. Heute spricht man von den Patriarchaten Roms, Alexandria, Antiochia, Jerusalem, die vom Konzil von Nicäa gegründet oder anerkannt wurden. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Nicäa diesen Begriff zu diesem Zeitpunkt nicht verwendet. Man verwendet den Begriff Metropolitan, aber meistens bezieht sich Nicäa auf den Bischof von Alexandria oder den Bischof von Rom etc. (Kanon VI). Von den übrigen Kanons, die alle interessant sind, handelt keines von der Frage über die Ost-Westbeziehungen oder dem Kirche-Staat-Problem, über das wir sprechen. Konstantin selbst (der offensichtlich an vielen Sitzungen teilnahm, obwohl weder er noch die römischen Präsidenten wählten) beendete das Konzil mit einer weiteren Rede über Einheit, nannte sich selbst dabei jedoch einen Bischofsgefährten und zeigte damit, wie stark er sich mit dem Werk der Kirche identifizierte.

   
[Zitat Ende]
 

 

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