Katholikin kommt zum Islam

Kaum zurück aus Dubai lernte ich einen Algerier kennen.Er war auf Asyl hier und er war es, der mich nach langer Zeit innerer Leere wieder zum Lachen und zum Weinen brachte. Ich bin aufgewachsen als Katholikin in einem Dorf in Rheinland-Pfalz.

Ich bin gerne in die Kirche gegangen und war auch religiös, was aber von anderen – incl. meiner Familie – immer belächelt wurde.

Ich hab den Rosenkranz vorgebetet etc. Und dafür wurde ich ausgelacht und verspottet.


Mit dem Spott konnte ich nicht umgehen – deshalb erfolgte ein innerer Rückzug vom Glauben.

Welcher Gott, welche Religion lässt es zu, hab ich mich gefragt, dass man zwar genötigt wird Unterricht zu nehmen und den Gottesdienst zu besuchen – nur, damit man ausgelacht wird, wenn man dies alles sehr ernst nimmt.

Mit ungefähr 12 hatte ich dann einen „Rückfall“ mit der Schönstatt-Jugend. Eine andere Art von Katholizismus. Wo jedoch Maria im Mittelpunkt stand. Das Kettchen fand ich nett, das man tragen durfte wenn man dazu gehört.

Die Gemeinschaft war an sich ok – aber ich verstand den Sinn dieser Gruppierung nicht.

Danach hab ich mich total vom Glauben abgewendet. Ich war verletzt und enttäuscht – und leer. Zwischenzeitlich starb mein Bruder.

Ich hatte einen reichen Lebensgefährten (reich an Geld versteht sich), hatte durch ihn Heim, Haus, Mercedes und viele Reisen. Also alles super – nach außen. Innerlich fühlte ich mich aber tot.

Nach 3 Operationen bei denen ich wusste, dass man mir dadurch etwas „mitteilen“ wollte – sprich: dein Leben ist so nicht ok – hab ich mich von meinem Freund und Luxusleben verabschiedet und mich endlich auf eigene Beine gestellt.

Mein einziger Trost zu dieser Zeit: Karten legen. Darüber konnte ich meditieren. Ich las unzählige Esoterik-Bücher, legte munter Karten, besuchte einen Reiki-Kurs – und war immer noch nicht fertig mit der Suche. Ich dachte wirklich ich tue was Gutes – zumindest nichts Schlimmes.

Was ich aber unbedingt wollte, da ich von den Bauten der Araber immer so fasziniert fand – und was ja auch im Fernsehen immer so gut rüber kam – ja ich wollte unbedingt nach Dubai.

Nach 2 Jahren erfüllte sich mein Wunsch. Aber oh Schreck. Ich mochte die Stadt an sich nicht. Es war wie in Europa. Keine „Tradition“, keine Möglichkeit etwas „altes“ zu sehen, ja nicht mal arabische Musik durfte man im Hotel spielen – wegen den Europäern. Bitte?! Wozu kommt man denn in ein arabisches Land fragte ich mich. Ok. Aber wenigstens kleideten sie sich noch Traditionell – ein sehr kleines Trostpflaster. Und ich war traurig darüber, bei allem Respekt dafür was sie da aus dem Boden gestampft haben, was Dubai tatsächlich ist. Und trotzdem packte mich dort unbewusst ein Interesse an Kultur und Islam.

 

Er lies mich den „Islam“ betrachten – ohne Vorschriften und ohne Zeigefinger.

Was haben wir uns manchmal gestritten - wegen dem Islam. Weil ich Angst vor dem Islam hatte (durch die Medien verursacht) und weil ich den Islam widerlegen wollte. Schließlich ist ja das Christentum auch was – dachte ich zumindest.


Zu dieser Zeit litt ich noch ab und zu unter Angstzuständen. Nichts half dagegen. Tabletten lehnte ich ab. Als ich ihm das am Telefon erzählte sagte er mir nur „leg Dich ins Bett und lese die letzte 3 Suren aus dem Koran 3x und Du wirst ruhig werden“.

Na super dachte ich. Ich hab Angst – er sagt lies Koran. Danke für’s Gespräch.

Dann dachte ich – ok - schaden kann es nichts. Aber ich glaube nicht daran. Tat es endlich, und tatsächlich, die Angstzustände waren weg.

So ging das immer weiter.

Leider bekam er nach kurzer Zeit unerwartet seine Abschiebung und für uns gab es keine Möglichkeiten mehr.

Da ich nun alleine war, habe ich mich intensiver mit dem Islam beschäftigt und erkannte was Islam bedeuten kann.

Manchmal hab ich geweint weil diese Religion so schön ist. Manchmal war es mir zu schwer. So ging es immer hin und her.

Der letzte extreme „Beweis“ bekam ich mit/nach einem Traum. Ich hörte innerhalb von 2 Tagen mit dem Kartenlegen, mit dem Rauchen und Trinken auf. Es war mir bewusst, dass da eine höhere Macht im Spiel war und es zeigte mir, dass ich tatsächlich auf dem richtigen Weg bin.

Wer jetzt denkt, dass ich auf so ein riesiges Zeichen hin gleich Konvertiert habe, der irrt. Als kleiner Sturkopf und aus Angst davor, dass ich es nicht schaffe die Regeln des Islam einzuhalten, hab ich es nicht getan.

Ein Jahr, 1 ½ Jahre nicht. Bis ich merkte, dass es an der Zeit ist, den Islam nun zu praktizieren. Nur wie und mit wem war die Frage. Ich hatte mir alles selbst oder über Internet beigebracht.

Nun denn. Kaum gedacht fand ich tatsächlich Anschluss zu praktizierenden Muslimen die mir sehr schnell den richtigen Schubs gaben.

So schnell, dass ich im November 2008 nicht mal mehr meine Arbeit verrichten konnte ohne ständig daran zu denken, dass ich jetzt endlich konvertierten muss. Ich konnte wirklich NICHTS mehr richtig machen. Nur noch wo werde ich konvertieren und bitte so schnell wie möglich.

Gut. Freitags hab ich mit der neuen Freundin vereinbart, dass sie mich schnellstmöglich mit zur Moschee nimmt, damit ich dort konvertiere. Sie hat sich gefreut, ich noch mehr – aber die Zeit hat mich innerlich gedrängt.

Nun hatte ja noch 2 wichtige Fragen VOR der Konvertierung für mich zu klären. Und die versuchte ich bei „Der wahren Religion“ zu klären.

Es kam wie es kommen sollte – ich konvertierte am Telefon.

„Sollte“ sag ich deshalb, weil ich tatsächlich 2 Stunden später beinahe einen schweren Autounfall gehabt hätte.


Mein Fazit nach ein paar Wochen als Muslima.

Ich gebe zu noch am Anfang zu stehen, und aus persönlichen Gründen noch kein Kopftuch zu tragen (ist aber in Planung).

Es gibt Muslime, die ich vorher schon kannte, die erst wollten das ich Konvertiere. Nun, da ich es getan habe, empfinden sie mich als extrem weil ich den Islam auch leben will. Sie unterstellen mir Dinge über die ich nur lachen kann. Es sind Muslime, die mir sagen, ich soll den Islam doch bitte leicht nehmen und ich müsste ja nicht 5x beten und ich könnte durchaus auch Sex vor der Ehe haben. Es sind Muslime die mir heute sagen, dass Muslime schlecht sind und was ich mir denken würde.


Ich denke, darauf muss man nicht näher eingehen und diese Kontakte habe ich abgebrochen.

Ich bitte nur meine neuen Geschwister im Islam – bitte seid vorsichtig(er) mit Euren Aussagen über Euch selber und über Eure Religion.

Wer noch nicht standhaft im Glauben ist, den können solche Reaktionen vom Glauben abbringen oder den neuen Glauben schwächen.

 

Letzten Endes aber kann ich sagen:

Das Gebet bringt mir Freude und ich habe eine wunderbare Gelassenheit und Ruhe, die ich vorher nicht kannte. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

 

© Die Wahrheit im Herzen

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