Die dritte Phase: Der Aufruf zum Islam jenseits von Mekka

Die dritte Phase (beginnt): Der Aufruf zum Islam jenseits von Mekka

 

Im Monat Schewwal vom zehnte Jahr der Entsendung (Ende Mai oder Anfang Juni 619 nach Christus), brach der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihn, in Richtung et-Ta‘f auf, ca. 96 Kilometer von Mekka entfernt, in Begleitung von seinem befreiten Sklaven Zeyd ibn Haritha, um die Leute dort zum Islam einzuladen. Aber im Gegensatz zu seinen Erwartungen war die allgemeine Atmosphäre furchtbar feindlich. Er näherte sich der Familie von Umeyr an, der bei den Adeligen der Stadt geschätzt war. Aber zu seiner Enttäuschung keiner von ihnen wollte hören und sie benutzten beleidigende Worte bezüglich der edlen Angelegenheit, die er anstrebte. Drei Brüder von den Stammesführern von Theqief, und diese sind Abdu Yaliel, Mas’ud und Habieb – Söhne von Amr ibn Umeyr eth-Theqafy, trafen den Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihn, der sie dazu einlud, den Islam anzunehmen und Allah zu dienen. Aber sie verhöhnten ihn unverschämt und lehnten seine Einladung ab. Einer von ihen sagte, dass er die Kleidung[1] der Kaaba zerreiße, wenn Allah ihn gesandt hätte. Ein anderer sagte: „Hat Allah keinen anderen als dich gefunden zum Entsenden?“. Der andere sagte:  „Ich schwöre bei Allah, dass ich nie wieder mit dir sprechen werde, wenn du ein Gesandter, denn du bist in größerer Gefahr als, dass ich dir etwas erwidere. Und wenn du über Allah lügst, dann rede ich erst recht nicht mehr mit dir“.

Da stand der Gesandte Allahs, Allahs Frieden und Segen auf ihn, auf  und verließ sie sagend:

Wenn ihr das tut, was ihr tut, aber schweigt vor mir“.[2]

 

Zehn Tage verbrachte er dort und rief die Leute zum Islam auf, doch jeder von ihnen sagte: „Verlass unser Land[3]“. In der Aufruhr, die Abreise des unwillkommenen Gasts zu beschleunigen, buhten ihn die Leute aus allen Gassen aus, beschimpften ihn und bewarfen ihn mit Steinen. So zwangen sie ihn, aus der Stadt zu fliehen, verfolgt von einem unerbittlichen Pöbel. Blut strömte über seine beiden Beine; und Zeyd, bemühte sich ihn zu schützen und wurde am Kopf verletzt. Die Horde hörte nicht auf, bis sie ihn zwei oder drei Meilen durch das sandige Flachland bis zum Fuß der umgebenden Hügel hindurch jagten. Müde und erschöpft floh er dort in eine der vielen Obstplantagen, und blieb bei der Wand eines Weinbergs sitzen. Zu einer Zeit, in der die ganze Welt gegen ihn zu sein schien, Muhammed, Allahs Frieden und Segen auf ihn, wandte sich an seinen Herren und widmete sich dem Gebet zu und die folgenden rührenden Wörter sind immer noch als solche bewahrt, mit denen seine bedrückte Seele ihrer Not freien Lauf ließ.

 

Er war müde und verwundet, aber er war zufrieden mit der Hilfe seines Herrn:

„Oh Allah! Bei Dir alleine beschwere ich mich über meine Hilflosigkeit, den Mangel meiner Mittel und meine Bedeutungslosigkeit vor der Menschheit. Du bist der Barmherzigste aller Barmherzigen. Du bist der Herr der Hilflosen und der Schwachen, Oh mein Herr! In wessen Hand du mich aussetzt: in die Hände eines mitleidslosen fernen Verwandten, der mir mürrisch, finster dreinblickt, oder die des Feinds, dem Macht über meine Angelegenheiten gegeben wurde? Aber wenn Dein Zorn nicht auf mich kommt, dann gibt es für mich nichts, was ich befürchte.“

 

„Ich suche Zuflucht im Licht Deines Angesichts, was die Himmel erleuchtet und Dunkelheit vertreibt, und was alle Angelegenheiten auf dieser Welt und im Jenseits überwacht. Möge es niemals sein, dass ich Deinen Zorn auf mich nehmen sollte, oder dass Du mir gegenüber zornig bist. Und es gibt weder Kraft noch Mittel, außer von Dir alleine. 

 

Nachdem die zwei Söhne Rabia seine Situation sahen, waren gerührt auf Grund von Verwandtschaft und Mitgefühl, und schickten ihm einen seiner christlichen Diener namens Addas mit einem Behälter mit Trauben. Der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihn, streckte seine Hände danach aus und sagte: „(Bismillah) Im Namen Allahs.“ Der christliche Diener Addas war von diesen Worten sehr beeindruckt und sagte: „Dies sind Wörter, welche die Leute in diesem Land gewöhnlich nicht benutzen.“ Der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihn, sagte: „Woher kommst du und was ist deine Religion?“. Addas antwortete: „Ich bin ein Christ und komme aus Ninive.“ Der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihn, sagte dann: „Du gehörst einer Stadt vom rechtschaffenen Jona an, der Sohn von Metta.“ Addas fragte ihn: „Was weißt du über Jona Sohn von Metta?“. Der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihn, sagte: „Er ist mein Bruder. Er war ein Prophet, sowie ich auch.“ Daraufhin huldigte Addas dem Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihn, und küsste seine Hände und Füße.

Seine Herren ermahnten ihn wegen dieser Handlung aber er antwortete: „Keiner auf dieser Erde ist besser als dieser Mann. Er hat mir die Wahrheit gezeigt, was nur ein Prophet tun kann.“ Sie tadelten ihn nochmals und sagten: „Wir warnen dich vor den Konsequenzen des Verlassens der Religion deiner Vorväter. Die Religion, der du angehörst ist viel besser als seine.“[4]

 

Mit einem gebrochenen Herzen und traurig, machte sich der Prophet auf den Weg zurück nach Mekka. Als er Qarn el-Menazil erreichte, schickte ihm Allah, der Allmächtige, den Engel Gabriel zusammen mit den Engeln der Berge. Letzterer bat den Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihn, um Erlaubnis, Mekka zwischen den Bergen zu begraben.

 

Von Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein wurde eine vollständige Überlieferung dieses Ereignisses berichtet. Sie sagte: „Ich sagte zum Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm: „Hast du einen schwereren Tag erlebt, als den Tag der Schlacht von Uhud?“ Er sagte: „Ich habe von deinen Leuten viel Schweres erlebt, und was ich davon am schwersten erlebt habe, geschah am Tag von Al-`Aqaba, als ich mit meinem Anliegen an Ibn `Abd Yalail Ibn `Abd Kulal herantrat, und er mir für das, was ich wollte, nicht entgegenkam. Ich ging dann ziellos fort und war sehr bekümmert. Ich kam erst dann zu mir, als ich die Gegend von Qarn Ath-Tha`alib erreicht hatte. Ich hob mein Haupt und sah, dass mir eine Wolke den Schatten spendete. Ich blickte und habe darin Gabriel gesehen. Er rief mir zu, indem er sagte: „Wahrlich, Allah hat die Worte deiner Leute gehört, welche sie an dich gerichtet und über dein Anliegen geantwortet haben. Er entsendet dir nun den Engel der Berge, damit du ihm den Befehl erteilst, wie du gegen diese Leute verfahren willst.“ Darauf rief der Engel der Berge mir zu, grüßte mich mit dem Friedensgruß (Salam) und sagte: „O Muhammad, befehle was du willst! Wenn du willst, lasse ich die zwei Berge über sie stürzen!“ Ich (= der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm), sagte aber: „Nein! Vielmehr hoffe ich, dass Allah aus ihren Lenden solche entstehen lässt, die Allah Allein dienen und Ihm nichts beigesellen.“[5]

 

Eine knappe, bedeutungsvolle Antwort, die für den einzigartigen Charakter und das abgrundtief edelmütige Benehmen des Propheten bezeichnend ist.

 

Der Gesandte Allahs, Allahs Frieden und Segen auf ihn, kam dann zurück zur Wachsamkeit und in sein Herz stellte sich Ruhe ein, im Licht dieser unsichtbaren, von Gott gelieferten Hilfe. Er ging weiter bis er zum „Tal der Palmen“ kam, wo er ein paar Tage verbrachte. Während des dortigen Aufenthalts schickte ihm Allah eine Gruppe der Dschinn[6], die ihm zuhörte, als er den edlen Quran rezitierte[7]. Dies erwähnte Allah an zwei Stellen im Quran:

 

„Und (gedenke,) als Wir Gruppe der Dschinn veranlassten, sich zu dir  zu begeben und dem Quran (leise) zuzuhören. Als sie zu ihm' eingefunden hatten, sagten sie: „Hört in Stille zu!"

Als es dann zum Ende kam, kehrten sie zu ihrem Volk zurück, um sie zu warnen.

Sie sagten: „O unser Volk, wahrlich, wir haben ein Buch gehört, das nach Musa  herabgesandt worden ist, das zu bestätigen, was vor ihm war, und das zur Wahrheit und zu einem geraden Weg leitet.

0 unser Volk, erhört (in Gehorsam) Allahs Rufer (d.h. Allahs Gesandter Mohammed [sav]) und glaubt an ihn (d.h. glaubt an das, was Mohammed [sav] von Allah brachte und folgt ihm).  Er (Allah) wird euch von euren Sünden vergeben,  und wird euch vor einer schmerzhaften Strafe (d.h. Höllenfeuer) schützen.  [46:29-31]

 

Dasselbe Ereignis wird in der Sure el-Dschinn erwähnt:

 

„Sag: „Mir ist offenbart worden, dass eine Gruppe der Dschinn (diesem Quran) zuhörte. Sie sagten: ‚Wahrlich! Wir haben eine wunderbare Rezitation (diesen Quran) gehört! Es leitet zum rechten Weg, und wir haben an ihn geglaubt, und wir werden (in der Anbetung) unserem Herrn (Allah) nichts beigesellen.‘ “ [72:1,2]…bis zum Ende des 15. Verses.

 

Aus dem Kontext dieser Verse und ihrer relevanten Interpretation können wir sicher feststellen, dass der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihn, der Präsenz dieser Gruppe von Dschinn nicht bewusst war.

Erst als Allah diese Verse offenbarte, hat er davon erfahren. Die Verse bestätigen auch, dass es das erste Mal war, dass sie kamen. Jedoch deutet der Kontext verschiedener Versionen darauf hin, dass die Dschinn ihre Besuche später wiederholten. Die Präsenz dieser Gesellschaft der Dschinn kommt im Kontext der göttlichen Unterstützung, der Seinem Gesandten gegeben wurde, und bildet ein glückverheißendes Zeichen vom ultimativen Sieg und Erfolg des Aufrufes zum Islam. Es liefert einen unerschütterlichen Beweis, dass keine Macht, wie groß sie auch sein mag, das, was von Allah bestimmt wurde, verändern kann:

 

„Wer Allahs Rufer nicht erhört, wird sich (Ihm) auf der Erde doch nicht entziehen können, und er hat außer Ihm keine Schutzherren. Jene befinden sich in deutlichem Irrtum." [46:32]

 

„Und wir meinten, dass wir uns auf der Erde Allah niemals entziehen können und dass wir uns Ihm niemals durch Flucht entziehen können. [72:12]

 

Nach diesem Erfolg und dieser frohen Botschaft wurden die Betroffenheit und die Traurigkeit, was ihn seit der Vertreibung von et-Taif heimsuchte, zerstreut. Danach wandte er sich nach Mekka, mit neuer Entschlossenheit, um seinen früheren Plan wieder aufzunehmen, Leuten den Islam zu zeigen und seine Botschaft in einer großartigen Stimmung der Strebsamkeit und beispielloser Begeisterung zu vermitteln.

Zaid bin Haritha, sein Begleiter, wandte sich dem Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihn, zu und sagte, „Wie kannst du nach Mekka zu gehen, nachdem sie dich rausgeschmissen haben?“ Der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihn, antwortete: „Gewiss, Allah wird sicherlich Erleichterung geben und Er wird wahrlich Seine Religion und Seinen Propheten unterstützen.“

Als er kurz vor Mekka war, zog er sich in die Höhle Hira zurück.

Von wo aus er einen Mann vom Stamm Chuza’ah zu el-Achnas ibn Schurayq schickte, um nach seinem Schutz zu suchen. Letzterer antwortete, dass er Verbündeter der Quraisch war und keinesfalls Schutz anbieten konnte. Er schickte den Boten zu Suhail ibn Amr, aber noch einmal vergeblich. El-Mut’im ibn Adi, ein Angesehener in Mekka, ging jedoch freiwillig auf den Aufruf nach Obdach des Propheten ein. Er bat seine Leute, sich vollständig bewaffnet vorzubereiten und bat dann Muhammed, Allahs Frieden und Segen auf ihn, die Stadt und die heilige Stätte direkt zu betreten. Der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihn, verrichtete ein Zwei-Rak’a Gebet und brach zu seinem Haus auf, beschützt von den schwer bewaffneten, wachsamen Adi’s.

Es wird berichtet, dass Ebu Dschehl, der Erzfeind des Islams, Mut’im später fragte, ob sein Verhalten auf Schutz oder Konversion hindeutete, Letzterer antwortete, es wäre lediglich Schutz. Ebu Dschehl war dann erleichtert.

Der Gesandte Allahs, Allahs Frieden und Segen auf ihn, vergaß Mut’ims Freundschaftsdienst niemals. Am Ende der Schlacht von Bedr verkündete er öffentlich, dass wenn Mut’im noch am Leben war und um die Freilassung der quraischitischen Gefangenen bat, er ihm diesen Wunsch nicht verweigern würde.[8]

 

[1] Damit ist dieser schwarze Umhang auf der Kaaba gemeint.

[2] Ich bin mir nicht sicher ob man das hier so sagen kann

[3] Land, Stadt, Ort, Gebiet

[4] Bei Ibn Hischam. - Auch hier wieder sind einige Stellen nicht genau wie es im Arabischen steht, jedoch stimmt der Inhalt.

[5] Sahih el-Buchari und Sahih Muslim

[6] Unseren Augen unsichtbare Wesen, die wie die Menschen sind, von ihnen gibt es Muslime und Nichtmuslime. Sie werden neben den Menschen auch abgerechnet.

[7] Sahih el-Buchari. – Ein Teil aus dem Arabisch fehlt hier, was aber nur eine Erklärung des Ortes darstellt.

[8] Ibn Hischam und Sahih el-Buchari. – Auch hier ist die Übersetzung nicht ganz vollständig und korrekt doch der Sinn wird übermittelt.

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